Eine Generation geht, und eine andere kommt

Eine Generation geht, und eine andere Generation kommt. Dies ist der Lauf der Dinge „unter der Sonne“, wie uns der Prediger sagt (Kap. 1,4). Angesichts der beständigen Veränderungen, die das Leben auf der Erde mit sich bringt, fragen wir uns: Welche Hilfsmittel haben wir als solche, die Gott kennen? Und zugleich: Was ist unsere Verantwortung?

Wir finden sowohl im Alten wie im Neuen Testament viele Belehrungen zu diesem Thema. Wenn wir über diese Belehrungen nachdenken, ist es wichtig, die Situation des Volkes Israel damals sorgfältig zu unterscheiden von der des himmlischen Volkes Gottes heute. Allgemeine Grundsätze bleiben aber bestehen und gelten zu jeder Zeit – doch es gibt auch wesentliche Unterschiede, über die man sich im Klaren sein muss.

Weitergabe eines geistlichen Erbes

Es gilt zu jeder Zeit, dass dann, wenn Gott sich Menschen offenbart und ihnen Seine Gedanken und Pläne mitteilt, diese den Schatz an andere weitergeben sollen – insbesondere an die nachfolgende Generation. Sie müssen von der Wahrheit, die sie kennen, Zeugnis ablegen und die Vorrechte, die sie empfangen haben, auf gute Weise gebrauchen. Nicht um sich dadurch selbst in den Vordergrund zu stellen, sondern um andere an den Segnungen teilhaben zu lassen, die sie selbst kennenlernen durften.

Das gilt zunächst für gläubige Eltern im Blick auf ihre Kinder. So war es in Israel: „Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen auf deinem Herzen sein. Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst“
(5. Mo 6,6.7). So ist es auch heute: „Ihr Väter, … zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ (Eph 6,4). Und die Kinder sind dafür verantwortlich, das Vorrecht wertzuschätzen, nach dem Wort Gottes belehrt worden zu sein, und sich diese Belehrungen persönlich zu eigen zu machen.

Das Buch der Sprüche gibt uns viele Unterweisungen zu diesem Thema, die teils an die Eltern, teils an die Kinder gerichtet sind. David gab seinem Sohn Salomo Anweisungen, und dieser hörte den Belehrungen seines Vaters aufmerksam zu. Er konnte sagen: „Denn ein Sohn bin ich meinem Vater gewesen, ein zarter und einziger vor meiner Mutter. Und er lehrte mich und sprach zu mir: Dein Herz halte meine Worte fest“ (Kap. 4,3.4). Siehe dazu auch Sprüche 1,8; 4,1; 6,20; 13,1.24; 23,22.

Aber dieses Zeugnis der Älteren kann und soll über den Rahmen der Familie hinausgehen. Asaph drückt das am Anfang des 78. Psalms so aus: „Ich will meinen Mund auftun zu einem Spruch, will Rätsel hervorströmen lassen aus der Vorzeit. Was wir gehört und erfahren und unsere Väter uns erzählt haben, wollen wir ihren Söhnen nicht verhehlen, sondern dem künftigen Geschlecht den Ruhm des Herrn und seine Stärke und seine Wunderwerke, die er getan hat, erzählen“ (V. 2-4; siehe auch V. 5-8 und Joel 1,3).

Im Neuen Testament finden wir ebenfalls mehrere Aufforderungen, das zu bewahren, was uns anvertraut wurde, und es weiterzugeben: „Bewahre das schöne anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt“
(2. Tim 1,14). „Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Leuten an, die tüchtig sein werden, auch andere zu lehren“ (Kap. 2,2).

Weitergabe eines Dienstes

Was das Amt oder den Dienst angeht, gibt es wichtige Unterschiede zwischen dem, was Gott in Israel angeordnet hatte, und dem, was die Versammlung, der Leib Christi, kennzeichnet. Trotzdem enthält das Alte Testament viele nützliche Anweisungen für uns, wenn es um die Ausbildung einer neuen Generation von Dienern Gottes geht. Gott verteilt die Aufgaben und die geistlichen Gaben, wie es Ihm gefällt, zu Seiner eigenen Verherrlichung. Dazu gehört auch die generationsübergreifende Zusammenarbeit am Werk Gottes.

Im Volk Israel waren Mose und Josua die ersten Führer. Aaron und seine Nachkommen waren die ersten Priester. Später wurden David und Salomo von Gott ausgewählt, um Könige über das Volk zu sein. Elia und Elisa wurden als Propheten berufen. Diese Männer wurden von Gott mit einer Autorität über Sein Volk ausgestattet. Einige dieser Aufgaben – die Priester und Könige – konnten nur innerhalb der Familie an die nächste Generation weitergegeben werden. So etwas hat es in der Versammlung Gottes niemals gegeben. Dennoch ist die Geschichte Israels sehr lehrreich.

Am Anfang der Christenheit gab es Apostel. Ihnen war Autorität gegeben worden, und sie hatten ganz bestimmte Aufgaben. Das trifft besonders auf Paulus zu. Aber die Zeit der Apostel ist vorbei. Die Versammlung „funktioniert“ nicht so wie ein gewöhnliches Volk auf dieser Erde. Sie „funktioniert“ wie ein Körper – sie ist der Leib Christi, an dem alle Glieder ihre Funktionen und Aufgaben haben und kein einziger Mensch Autorität besitzt. Als der Herr über solche sprach, die über die Erde herrschen – und zu ihrem Wohl! -, sagte Er ausdrücklich: „Unter euch soll es nicht so sein“ (Mt 20,26). Der Herr allein besitzt die Autorität in Seiner Versammlung.

Im Lauf der Jahre sind Männer erschienen und verschwunden, und Gott hat es nicht daran fehlen lassen, neue Diener zu berufen, wenn der Zeitpunkt gekommen war. Er bildet sie durch Sein Wort aus, durch die Wirkung Seines Geistes in ihnen und durch die Erfahrungen in ihrem Glaubensleben. Er benutzt auch ältere Diener, um jüngere an den Dienst heranzuführen.

Der Übergang ihrer jeweiligen Dienste sollte immer in einem glücklichen, geistlichen und brüderlichen Klima erfolgen. Dazu ist es nötig, dass wir alle einen Geist der Gnade haben, des gegenseitigen Vertrauens und der Demut. Die Älteren sollten die Jüngeren ermutigen, und diese sollten die Älteren respektieren (1. Pet 5,5)!

Das Beispiel von Mose und Josua

Weil Mose in der Wüste einen Fehler gemacht hat, erfährt er aus dem Mund Gottes, dass er das Land Kanaan nicht betreten wird (4. Mo 20,12; 27,12-14). Er würde bald nicht mehr das Volk Israel führen. In seiner Fürsorge für jene, die er bis dahin geführt hat, betet Mose: „Der Herr, der Gott der Geister allen Fleisches, bestelle einen Mann über die Gemeinde, der vor ihnen her aus- und einzieht und der sie aus- und einführt, damit die Gemeinde des Herrn nicht sei wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (4. Mo 27,16.17).

Dann enthüllt Gott Mose den Namen dessen, den Er für seine Nachfolge erwählt und ausgebildet hatte: Es ist Josua (V. 18). Dessen Aufgabe würde immens und schwierig sein, da das Volk beständig zu murren geneigt war.

Als Josua noch sehr jung war, hatte er in Rephidim gegen Amalek gekämpft und das Volk zum Sieg geführt
(2. Mo 17,8-16). Während dieses entscheidenden Kampfes betete Mose auf dem Berg für ihn. Seitdem hatte der junge Mann die Gewohnheit, sich bei Mose aufzuhalten und ihm zu dienen (2. Mo 24,13; 32,17; 4. Mo 11,28).

Als es im Volk zu gravierenden Problemen kam, errichtete Mose das Zelt der Zusammenkunft „außerhalb des Lagers, fern vom Lager“ (2. Mo 33,7). Josua blieb im Innern des Zeltes, während Mose seinen schwierigen Dienst im Lager versah (V. 11). Diese Haltung der Unterordnung Josuas ist bemerkenswert. Er lernt in der Begleitung von Mose, der schon ein langes Leben mit Gott hinter sich hat. Als das Land Kanaan von zwölf Kundschaftern erkundet werden soll, zeigt Josua – ebenso wie Kaleb – seinen Mut und seinen Glauben (4. Mo 14,6-9). Und als der Augenblick des Stabwechsels gekommen ist, sagt Gott zu Mose: „Nimm dir Josua, den Sohn Nuns, einen Mann, in dem der Geist ist, und lege deine Hand auf ihn“
(Kap. 27,18). Schritt für Schritt hat Gott diesen jungen Diener zubereitet und dazu die verschiedenen Prüfungen in der Wüste benutzt. Er wird nun Moses Nachfolger und wird unter der Leitung Gottes das Volk zur Eroberung des verheißenen Landes führen.

Einige Zeit später erhält Josua Zusagen von Gott: „Mein Knecht Mose ist gestorben; und nun, mach dich auf, geh über diesen Jordan, du und dieses ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Kindern Israel, gebe … So, wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein; ich werde dich nicht versäumen und dich nicht verlassen. Sei stark und mutig! Denn du sollst diesem Volk das Land als Erbe austeilen, das ich ihren Vätern geschworen habe, ihnen zu geben“ (Jos 1,2-6).

Heute gibt es keine Diener mehr, die mit einer solchen Autorität bekleidet sind, wie Mose und Josua es waren. Aber Gott kann erfahrenen Brüdern besondere Verantwortung geben. Das Neue Testament spricht von denen, die „vorstehen“ und die „ermahnen“ (Röm 12,8; 1. Thes 5,12). Diese Brüder haben ihre Aufgabe sorgfältig zu erfüllen, „nicht als solche, die über ihre Besitztümer herrschen, sondern die Vorbilder der Herde sind“ (1. Pet 5,3). Andererseits werden die Gläubigen aufgefordert, sie zu akzeptieren: „Gehorcht euren Führern und seid fügsam; denn sie wachen über eure Seelen“ (Heb 13,17), und auch: „Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und, den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmt ihren Glauben nach“ (V. 7).

Das Beispiel von David und Salomo

Schon zu Beginn seiner Regierungszeit denkt David an eine Bleibe für die Bundeslade, um sie bei sich zu haben (2. Sam 6,17; Ps 132,2-5). Später, als das Land Ruhe hat, ist es sein Wunsch, ein Haus für Gott zu bauen, und er sagt das dem Propheten. Gott gefällt dieser Wunsch; und Er offenbart ihm, dass nicht er, David, sondern einer seiner Söhne dieses Haus bauen soll
(2. Sam 7,13). Demütig ordnet David sich dem Willen Gottes unter. Die Jahre gehen vorüber, und Gott zeigt ihm, dass es Salomo ist, der das Haus bauen wird
(1. Chr 22,7-10).

Wenn David auch durch die souveräne Entscheidung Gottes ein wenig beiseitegestellt wurde, überlässt er doch nicht alle Arbeit seinem Sohn. Er ist sich bewusst, dass auf seinen Erben eine gewaltige Aufgabe wartet. Deshalb will er ihn unterstützen und steckt all seine Kraft in die Vorbereitung der Materialien, die für den Bau des Hauses Gottes benötigt werden. Er stellt Steinhauer an, beschafft Eisen und Kupfer in Menge und besorgt Zedernholz ohne Zahl durch die Sidonier und Tyrer (V. 2-4). Bis zu seinem Tod arbeitet David an diesem Bauvorhaben. Und was war seine Motivation? „Salomo, mein Sohn, ist noch jung und zart; und das Haus, das dem Herrn zu erbauen ist, soll überaus groß werden, zum Namen und zum Ruhm in allen Ländern: So will ich denn das Nötige für ihn bereiten“ (V. 5). David ermutigt seinen Nachfolger und gibt ihm seine Unterstützung. Sein Verhalten ist das Ergebnis seiner Gemeinschaft mit Gott und der Kenntnis Seines Willens (1. Chr 28,11.12).

In seinem Eifer für Gott ist David ein schönes Bild von einem älteren Bruder in der Versammlung, der die Interessen des Herrn auf dem Herzen hat und der alles tut, was er kann, um den Weg für solche zu bahnen, die nach ihm dienen werden. Ist das heute die gängige Praxis der Älteren?

Das Beispiel von Elia und Elisa

Elia ist der mutige Prophet, der sich vor dem Angesicht des Herrn, dem Gott Israels, aufhielt (1. Kön 17,1). Er wird in einer sehr dunklen Epoche erweckt: zur Regierungszeit Ahabs. Dieser gottlose König wird von seiner Frau Isebel dominiert, einer götzendienerischen Sidonierin. So überrascht es nicht, dass er Israel von Gott abzieht.

Nach drei Jahren der Hungersnot, die Gott als Züchtigung Seinem Volk kommen ließ, fordert Elia Ahab auf, ganz Israel auf dem Berg Karmel zu versammeln
(1. Kön 18). Elia setzt sich als Einziger für Gott ein; und vor ihm stehen 850 falsche Propheten. Sein Mut und sein Glaube sind beeindruckend. Durch seine Hand wirkt Gott ein Wunder und beweist damit, dass Er Gott ist: Feuer fällt vom Himmel. Für die falschen Propheten ist es zu spät – sie müssen getötet werden. Gegenüber dem Volk währt die Gnade: Als Antwort auf Elias Gebete fängt es im Land wieder an zu regnen.

Und doch verliert Elia den Mut, als er von der Drohung Isebels hört, die ihn töten will, und er flieht allein in die Wüste (1. Kön 19). Gott kümmert sich um Seinen Diener und gibt ihm die Kraft, bis zum Horeb zu laufen, dem Ort, wo Israel das Gesetz gegeben worden war. Dort redet Er ihm ins Gewissen und spricht zu seinem Herzen und fordert ihn auf, zurückzugehen. Er lässt ihn wissen, dass sein Dienst zu Ende gehen wird und dass er Elisa an seiner Statt zum Propheten salben soll (V. 16).

Mit der Bereitschaft, selbst zurückzutreten, macht sich Elia auf den langen Rückweg. Er findet Elisa, der voller Energie mit 12 Joch Rindern pflügt. Elia wirft seinen Mantel auf ihn. Der zukünftige Prophet verlässt unverzüglich seine Arbeit und folgt Elia nach (V. 19.20). Nun wird er ihm dienen und als derjenige bekannt werden, der „Wasser goss auf die Hände Elias“ (2. Kön 3,11). Er hängt Elia als seinem geistlichen Vater an.

Der Tag kommt, an dem Elia in den Himmel entrückt wird – ein geheimnisvolles und außergewöhnliches Ereignis (2. Kön 2)! Davor wird er dahin geführt, eine Art symbolische Reise an die Orte zu unternehmen, die mit seinem Dienst verbunden waren, bis jenseits des Jordan, wo er in den Himmel aufgenommen würde. Sein Nachfolger begleitet ihn treu. Dreimal fordert Elia ihn auf: „Bleib doch hier; denn der Herr hat mich … gesandt“, und Elisa antwortet jedes Mal: „So wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse!“ (V. 2.4.6).

Dann sagt Elia zu Elisa: „Erbitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde“ (V. 9). Und Elisa äußert eine herrliche Bitte: Er möchte ein zweifaches Teil von Elias Geist haben. Er ist sich bewusst, dass dieser Prophet, dem er gedient hat, unter der Leitung des Geistes Gottes steht und eine besondere Kraft gezeigt hat. Elisa möchte einen ähnlichen Dienst tun, möchte seinen „Vater“ wie ein Erstgeborener beerben. Dieser Wunsch wird ihm unter einer Voraussetzung gestattet: Er muss sehen, wie Elia von ihm genommen wird
(V. 10).

Die beiden Männer gehen zusammen, „und im Gehen redeten“ sie miteinander (V. 11) – ein schöner Ausdruck von Gemeinschaft. Und plötzlich lesen wir: „Siehe, ein Wagen von Feuer und Pferde von Feuer, die sie beide voneinander trennten.“ Elia fährt im Sturmwind auf zum Himmel, und Elisa sieht es und ruft: „Mein Vater, mein Vater!“ (V. 11.12). Dann zerreißt Elisa seine Kleider und hebt Elias Mantel auf, der von ihm herabgefallen war. In Zukunft würde er nun den Mantel des Propheten tragen.

Eine solche Beziehung, wie Elisa sie zu Elia hatte, kann auch heute noch ein großer Segen für einen Diener Gottes sein. Der Dienst von Elia war von Gerechtigkeit gekennzeichnet und von den Ansprüchen des Herrn an Sein Volk, während der Dienst von Elisa von der Barmherzigkeit und Gnade Gottes charakterisiert war. Zwei ganz unterschiedliche Dienste, die aber einander ergänzen.

Das Beispiel von Paulus und Timotheus

Am Ende seines treuen Dienstes schreibt Paulus dem Timotheus: „Denn ich werde schon als Trankopfer gesprengt, und die Zeit meines Abscheidens ist gekommen. Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt“
(2. Tim 4,6.7). Ihn erwartet eine Belohnung: „Fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird“ (V. 8).

Getragen von seiner Liebe zu Christus ging Paulus im Lauf seiner Missionsreisen durch schmerzliche und schwere Prüfungen. Dennoch predigte er treu das Wort – überall, wohin der Herr ihn sandte. Jetzt ist er ein Gefangener. Andere Diener sind dazu aufgerufen, ihn abzulösen, um einen ähnlichen Dienst zu tun. Unter ihnen ist auch der junge Timotheus, sein „Kind im Glauben“, mit dem er seit langem eng verbunden ist. Er hatte seine Treue und seine geistliche Haltung gesehen, aber er weiß, dass Timotheus zaghaft ist, und so versucht er ihn zu ermuntern. Timotheus hat eine gute Kenntnis des Wortes Gottes und den eifrigen Wunsch, in Demut den Spuren seines Herrn zu folgen.

In seinem Brief an die Philipper stellt ihm der Apostel ein bemerkenswertes Zeugnis aus: „Ich hoffe aber in dem Herrn Jesus, Timotheus bald zu euch zu senden, damit auch ich guten Mutes sei, wenn ich eure Umstände kenne. Denn ich habe keinen Gleichgesinnten, der von Herzen für das Eure besorgt sein wird; denn alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist. Ihr kennt aber seine Bewährung, dass er, wie ein Kind dem Vater, mit mir gedient hat an dem Evangelium“
(Phil 2,19-22).

Vor seinem Abscheiden rät ihm der Apostel: „Du nun, mein Kind, sei stark in der Gnade, die in Christus Jesus ist“ (2. Tim 2,1). Er soll das, was er von dem Apostel empfangen hat, nun treuen Gläubigen anvertrauen
(2. Tim 2,2).

Auch heute noch empfangen die, die der Herr erkauft hat, zunächst einmal für sich selbst das Wort Gottes, um es in ihrem persönlichen Leben in die Praxis umzusetzen. Dann, nach dem Maß des Dienstes, das ihnen anvertraut ist, sind sie verantwortlich dafür, es an andere weiterzugeben, die wiederum ihrerseits es anderen mitteilen werden.

Einige Bemerkungen über die Nachfolge vom Vater zum Sohn

In Israel hatte Gott angeordnet, dass die Funktion des Priesters für die Familie Aarons reserviert war. Der Priester gab das Zeugnis weiter an seinen Sohn oder an seine Söhne. Eli, der diensthabende Priester in der Zeit Samuels war, hatte zwei Söhne, die sich beschämend schlecht verhielten (1. Sam 2,12-17.22-24). Statt sie energisch zurechtzuweisen oder sogar von ihrem Dienst auszuschließen, ermahnte ihr Vater Eli sie auf eine so schwache Weise, dass Gott ihm sagen musste: „Du ehrst deine Söhne mehr als mich“ (V. 29). Das Ergebnis war, dass Gott ein schwerwiegendes Gericht ausüben musste, nicht nur über die zwei unwürdigen Söhne, sondern über Elis ganzes Haus (V. 30-34; 1. Kön 2,27). Dieser Bericht ist eine Warnung für alle Eltern.

Wie das Priestertum wurde auch das Königtum vom Vater auf den Sohn übertragen, und zwar grundsätzlich auf den Erstgeborenen. Die Zusammenarbeit zwischen David und Salomo war harmonisch, und sie gibt uns manche Belehrungen. Doch das Wort Gottes zeigt uns auch ganz andere Fälle. Manche treuen Könige hatten Nachfolger, die taten, „was böse war in den Augen des Herrn“ (2. Kön 8,18; 21,16 usw.). Und umgekehrt hatten untreue Könige treue Söhne als Nachfolger. Wir können uns hier an die Geschichte von Jehiskia erinnern, der sich gleich in den ersten Tagen seiner Regierungszeit öffentlich vom Verhalten seines Vaters Ahas distanzierte (2. Chr 29).

Anders als beim Priester- und Königtum, wurden die Aufgaben der Richter und Propheten nicht erblich weitergegeben. Gideon war ein nützliches Werkzeug in Gottes Händen, um Israel zu retten und anschließend zu richten. Aber als das Volk ihm das verführerische Angebot machte: „Herrsche über uns, sowohl du als auch dein Sohn und deines Sohnes Sohn; denn du hast uns aus der Hand Midians gerettet“ (Ri 8,22), erwiderte er weise: „Nicht ich will über euch herrschen, und nicht mein Sohn soll über euch herrschen; der Herr soll über euch herrschen“ (V. 23).

Die Richter in Israel wurden persönlich von Gott berufen, um ihre Funktion auszuüben, und sie hatten diese nicht an einen Nachfolger weiterzugeben. Samuel, der sowohl Prophet als auch Richter war, meinte es gut, als er einen Teil seiner Aufgabe an seine Söhne übertrug: „Als Samuel alt geworden war, da setzte er seine Söhne als Richter ein über Israel“ (1. Sam 8,1). Aber sie waren ganz sicher nicht geeignet für diese Aufgabe. Ihr schlechtes Verhalten – sie liebten „schändlichen Gewinn“ – war für das Volk die Veranlassung, einen König zu verlangen, was gegen den Willen Gottes war (V. 3).

Schlussbemerkung

Heute gibt es im Volk Gottes keine solchen Führer wie Mose oder Josua und auch keine privilegierte Familie, für die das Priestertum oder das Königtum reserviert ist. Die Versammlung funktioniert wie ein Körper. Sie ist der Leib Christi, an dem alle Gläubigen Glieder sind. Gott beruft und bildet Seine Diener.

Aber jede Generation hat die Verantwortung, die Belehrungen des Wortes Gottes zu bewahren und sie weiterzugeben, so wie es Gott gefallen hat, sie selbst damit bekannt zu machen. Bitten wir Gott, demütige, treue Brüder zu erwecken, die Sein Wort lieben und dankbar sind für das, was sie von ihren Vorgängern gelernt haben, und die den Wunsch haben, die Schätze des Wortes Gottes an andere weiterzugeben.

Ph. Laügt

Einordnung: Ermunterung + Ermahnung, Jahrgang 2015, Heft 8