Fragen und Antworten

Mann und Frau schuf er sie

Frage: In einer christlichen Zeitschrift war vor einiger Zeit in einem Leserbrief zu lesen, dass Gott uns Menschen nicht nur männlich und weiblich geschaffen habe, sondern dass es dazwischen durchaus Möglichkeiten für ein drittes (neutrales) Geschlecht geben könne. Begründet wurde dies mit 1. Mose 1,27, wo es heißt: „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie.“ Es wurde argumentiert, dass dies ebenso bedeuten könne, dass Gott die Menschen „von Mann bis Frau“ schuf und dass gerade diese Lesart ein mögliches drittes Geschlecht biblisch zulasse oder sogar begründe. Meine Frage lautet, wie dieses Argument tatsächlich biblisch zu beurteilen ist. 

Eines gleich vorweg: Das Argument ist völlig absurd und hält einer biblischen Beurteilung keineswegs stand. Es beweist nur einmal mehr, was Gott im Römerbrief über den natürlichen Menschen ohne Gott sagt: „ … weil sie, Gott kennend, ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Toren geworden … Darum hat Gott sie hingegeben in den Begierden ihrer Herzen zur Unreinheit … , die die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauscht und dem Geschöpf Verehrung und Dienst dargebracht haben anstatt dem Schöpfer, der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen“ (Röm 1,21.24.25). Das Tragische daran ist, dass das Urteil Gottes im Römerbrief ursprünglich für Menschen aus dem Heidentum galt, heute jedoch fast 1:1 auf viele übertragen werden muss, die sich Christen nennen und die es ganz sicher besser wissen müssten und könnten, wenn sie es nur wollten. Denn – wie der Fragesteller anmerkt – stand dieser abwegige Gedanke nicht in einer weltlichen, sondern in einer christlichen Zeitschrift. Das beweist ebenfalls, wie listig der Widersacher Gottes ist, der selbst mithilfe der Bibel versucht, sein Gift zu streuen. Die Geschlechtervielfalt wird heute mit Vorliebe und sogar unter „christlichem Deckmantel“ propagiert, sie entspricht jedoch keinesfalls der Absicht Gottes, sondern ist eine „Erfindung“ der Menschen, die der große Widersacher Gottes ihnen eingegeben hat.

Ich möchte die klare Ablehnung der aufgestellten Behauptung aus zwei Blickwinkeln begründen:

1. Sprachliche Beurteilung

Die erste Frage, die wir uns stellen müssen, lautet, ob das Wort „und“ im Bibeltext alternativ mit „von … bis“ wiedergegeben werden kann. Die Antwort lautet: nein. Das Alte Testament ist in hebräischer Sprache geschrieben. Kenner dieser Sprache weisen darauf hin, dass das Wort „und“ zwar im Hebräischen einen größeren Bedeutungsumfang hat als im Deutschen, keineswegs aber „von … bis“ bedeutet. Wenn das Hebräische „von … bis“ sagen will, gibt es dafür andere Möglichkeiten. In 1. Mose 6,7 lesen wir z. B., dass Gott sagt, dass Er alles Lebende „vom Menschen bis zum Vieh, bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln“ vertilgen wollte. Damit sind alle Lebewesen beschrieben, die sich auf der Erde befinden (die Fische ausgenommen). In Josua 6,21 ist die Rede davon, dass die Kinder Israel alle Bewohner Jerichos töteten, und zwar „vom Mann bis zur Frau, vom Knaben bis zum Greis“. Das beschreibt alle Menschen, die in Jericho lebten (vgl. Est 3,13). 1. Mose 1,27 spricht eine andere Sprache. Was dort steht, bedeutet ganz einfach, dass Gott „männlich(es) und weiblich(es)“ schuf. Gerade darin erkennen wir, dass Gott in der Schöpfung nicht nur in Macht, sondern auch in Weisheit gehandelt hat. Er hat zwei Geschlechter gemacht – nicht nur eins, aber eben auch nicht drei oder vier. Gott hat es für gut befunden, uns Menschen als Männer oder als Frauen zu erschaffen. Das war sein Plan, mit dem Er uns Menschen Gutes tun wollte.

Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie. 1. Mose 1,27

Wenn der Text also sagt, dass Gott „Mann und Frau“ schuf, ist die Bedeutung unschwer zu erkennen: Es geht darum, dass zwei verschiedene Gruppen aufgezählt werden, nämlich die der Männer und die der Frauen. So entspricht es Gottes Plan. Dazwischen gibt es nichts, also keinen „Platz“ für ein drittes oder „neutrales“ Geschlecht. Das ist eigentlich nicht schwierig zu verstehen, und jede andere Interpretation verdreht das Wort Gottes.

2. Historische Beurteilung

Wenn wir den Schöpfungsbericht insgesamt lesen, wird es ebenfalls völlig klar, dass Gott genau zwei Geschlechter – und nicht mehr – gemacht hat. Der Herr Jesus selbst bestätigt den Schöpfungsbericht, indem Er ebenfalls erklärt, dass Gott die Menschen von Anfang an als „Mann und Frau“ gemacht hat (Mt 19,4; Mk 10,6). Dabei fällt auf, dass Adam und Eva erstens nicht zum gleichen Zeitpunkt und zweitens nicht auf die gleiche Weise gebildet wurden. Daran erkennen wir erneut die Weisheit des Schöpfers, und das sollte uns zu denken geben.

Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen, dass der, der sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Frau machte? Matthäus 19,4

Die Bibel sagt unmissverständlich: „Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva“ (1. Tim 2,13). Adam wurde aus Staub gebildet (1. Mo 2,7), während Eva aus der Rippe des Menschen „gebaut“ wurde (1. Mo 2,22). Das begründet erstens die Unterschiede von Mann und Frau, die Gott in uns hineingelegt hat und zeigt zweitens zweifelsfrei, dass in der historischen Abfolge zwei einzelne – voneinander unabhängige Menschentypen –geschaffen wurden. Erst danach hat Gott Mann und Frau in der Ehe zu einer wunderbaren Einheit zusammengefügt (1. Mo 2,24; Eph 5,31).

Der historische Bericht ist also ein weiteres Argument, das die Möglichkeit widerlegt, Gott habe in 1. Mose 1,27 etwas zwischen „männlich“ und „weiblich“ geschaffen. Wir müssen diese Argumentation als falsch zurückweisen. Die Geschlechtervielfalt mit der Bibel begründen zu wollen, ist unmöglich.

Und was ist mit dem so genannten „dritten Geschlecht“?

Es bleibt die Frage, was es mit dem so genannten „dritten Geschlecht“ (auch „divers“ genannt) auf sich hat. Im August 2018 hat das Bundeskabinett einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen, der ab Januar 2019 in Kraft getreten ist. Eltern können ihr neugeborenes Kind jetzt als „divers“ ins Geburtenregister eintragen lassen, wenn es nicht eindeutig einem der beiden Geschlechter (männlich oder weiblich) zuzuordnen ist.

In der Tat gibt es solche Fälle – es sind allerdings sehr wenige. In Deutschland werden pro Jahr etwa 400 Kinder geboren, auf die das zutrifft. Das entspricht etwa 0,05% aller Geburten. Die Gründe dafür mögen unterschiedlicher Natur sein und sind – wie jede Krankheit – in letzter Konsequenz eine Folgeerscheinung des Sündenfalls im Garten Eden. Gott hat jedenfalls kein drittes Geschlecht in seinem Plan vorgesehen.

Das eigentliche Problem sind allerdings nicht die wenigen Fälle, die tatsächlich nicht eindeutig zugeordnet werden können, sondern das Problem liegt vielmehr darin, dass es Menschen gibt, die meinen, sich ihrem natürlichen Geschlecht nicht zugehörig zu fühlen (häufig Transgender oder Transsexuell genannt), selbst wenn sie es biologisch sind. Das eigentliche Ziel der Vertreter von Gender Mainstreaming ist, dass solche transsexuellen Menschen ebenfalls den Geschlechtereintrag „divers“ wählen können.

Als Christen sollten wir klar erkennen, wohin diese Entwicklung geht. Es geht überhaupt nicht darum, dass wir solche Menschen irgendwie denunzieren, denn die Menschenliebe unseres Heiland Gottes gilt ihnen, so wie sie allen Menschen gilt, sondern darum, dass wir den Zeitgeist im Licht der Bibel klar als nicht biblisch erkennen und ablehnen und gemeinsam mit unseren Kindern bereit sind, gegen den Strom zu schwimmen.

Fazit

Es ist schon erschreckend, wie unverblümt heute selbst von solchen, die sich Christen nennen, antibiblische Thesen nicht nur vertreten werden, sondern wie man sogar versucht, sie mit der Bibel zu begründen. Nicht ohne Grund schreibt Paulus in seinem letzten Brief – der zugleich die letzte Zeit des christlichen Bekenntnisses thematisiert: „Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt“ (2. Tim 4,3). Für uns gilt die Warnung: „Niemand verführe euch mit eitlen Worten, denn dieser Dinge wegen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams“ (Eph 5,6). Es ist nötig, im schlichten Glauben an dem festzuhalten, was die Bibel uns lehrt und dies an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Ernst August Bremicker

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2019, Heft 2, Seite 21

Bibelstellen: 1. Mose 1,27; Matthäus 19,4; Römer 1,21.24.25

Stichwörter: drittes Geschlecht, Frau, Gender Mainstreaming, Mann