Fragen und Antworten

Fand die Auferstehung wirklich am ersten Tag der Woche statt?

Frage: Manche vertreten die Auffassung, Jesus sei am Sabbat auferstanden und nicht am ersten Tag der Woche – also nicht an einem Sonntag. Daraus leiten sie ab, dass auch Christen weiterhin den Sabbat beobachten sollten. Es wird auf den Urtext hingewiesen und auf verschiedene Bibelübersetzungen (Lutherbibel von 1545 oder die Vulgata), die den Begriff „Sabbat“ dort verwenden, wo andere vom „ersten Tag der Woche“ sprechen (Joh 20,1; Apg 20,7; 1. Kor 16,2). Weiter wird gesagt, Paulus habe die Kollekte für den Sabbat angeordnet, und das nach seiner Gewohnheit. Durch das konstantinische Edikt (321 n. Chr.) sei das Wort Gottes verfälscht worden, indem man das 4. Gebot missachtet und den ersten Tag der Woche an die Stelle des siebten Tages gesetzt habe, den Gott bereits in 1. Mose 2,3 als besonderen Tag einsetzte. Wie sind diese Argumente im Licht der Bibel zu beurteilen?

Antwort: Es besteht kein Zweifel daran, dass der erste Wochentag sowohl der Auferstehungstag ist als auch der Tag, den Christen von Anfang an als besonderen Tag begangen haben. Du hast fünf Argumente genannt, die benutzt werden, um die gegenteilige Ansicht zu stützen (Auferstehung am Sabbat):

1. Der Grundtext

2. Einige alte Übersetzungen

3. Die „Gewohnheit“ des Paulus

4. Das Konstantinische Edikt

5. Das Gesetz

Im Grunde genommen ist die erste Frage ausschlaggebend: Was sagt der Grundtext? Dennoch werde ich auch auf die anderen Punkte kurz eingehen.

1. Der Grundtext

Zunächst ist festzuhalten: Die unterschiedlichen Übersetzungen von Johannes 20,1 (und ähnlichen Stellen) beruhen nicht auf verschiedenen Textfassungen. Es gibt in diesen Versen keine bedeutenden Unterschiede zwischen wichtigen Handschriften. Die Unterschiede ergeben sich vielmehr ausschließlich aus der Übersetzung.

Im Grundtext steht an dieser Stelle die Wendung mia to¯n sabbato¯n, die in den meisten Bibelübersetzungen mit „am ersten Tag der Woche“ wiedergegeben wird. Auf den ersten Blick mag diese Formulierung an den Sabbat erinnern. Es wird tatsächlich das Wort benutzt, das oft mit Sabbat übersetzt wird. Doch es lohnt sich, genauer hinzuschauen:

• Das Wort sabbaton kann im Griechischen nicht nur „Sabbat“ bedeuten, sondern auch „Woche“. Der jüdische Wochenrhythmus wurde durch die Sabbate strukturiert – daher konnte sich die Bezeichnung auch auf die ganze Woche beziehen[1].

• Die Formulierung ist eine feststehende idiomatische Wendung des jüdisch-hellenistischen Griechisch, mit der klar der „erste Tag der Woche“ gemeint ist – also unser Sonntag.

• Sprachlich ist die Konstruktion wie folgt zu verstehen:

mia ist die weibliche Form von „eins“, manchmal auch als „erste“ übersetzt. Sie bezieht sich auf ein mitgedachtes weibliches Wort – nämlich hemera („Tag“) -, das hier nicht ausdrücklich genannt wird, sondern gedanklich ergänzt werden muss.

• to¯n sabbato¯n ist der Genitiv Plural von sabbaton – wörtlich also: „der Sabbate“.

Daraus ergeben sich zwei mögliche Übersetzungen:

1. Der erste [Tag] der Sabbate – diese Übersetzung wirft Fragen auf: Welche Sabbate sollen gemeint sein? Diese Option ist sprachlich möglich, aber inhaltlich wenig überzeugend.

2. Der erste [Tag] der Woche – diese Bedeutung ist naheliegend und wird durch den Zusammenhang klar gestützt: Jesus Christus wurde kurz vor Beginn des Sabbats begraben (Lk 23,54.56), lag den Sabbat über im Grab (das war der siebte Tag), und an dem darauf folgenden Tag ist Er auferstanden. Das aber ist der erste Tag der neuen Woche.

Fazit: Die im Grundtext verwendete Formulierung mia to¯n sabbato¯n wird am besten wiedergegeben mit „am ersten Tag der Woche“.

2. Einige alte Übersetzungen

Es stimmt, dass die Lutherbibel von 1545 und die Vulgata Formulierungen wie „an einem Sabbat“ bzw. una sabbati verwenden, um den Ausdruck mia to¯n sabbato¯n wiederzugeben. Dabei ist zu bedenken, dass mia kein Artikel ist, sondern die feminine Form des Zahlworts εΐς (heis) = „eins“. Daher wird mia oft als Zahlwort verwendet („erste“). Offensichtlich geht es um den ersten (Tag) der Woche. Daher sollte sabbaton in diesem Zusammenhang mit „Woche“ übersetzt werden.

Selbst bedeutende Übersetzer wie Martin Luther haben bekanntermaßen an einzelnen Stellen nicht den präzisesten Ausdruck gewählt. Entscheidend bleibt der Grundtext.

3. Die „Gewohnheit“ des Paulus

Das angesprochene Argument legt nahe, Paulus habe gemäß seiner Gewohnheit (als aus dem Judentum kommend) angeordnet, dass die Kollekte am Sabbat eingesammelt werden sollte (vgl. 1. Kor 16,1.2). Auf diese Weise versucht man nahezulegen, die christlichen Zusammenkünfte hätten vornehmlich am Sabbat stattgefunden. Diese Ansicht ist nicht überzeugend, denn:

• Es handelt sich um eine analoge[2] Konstruktion: der erste [Tag] der Woche.

• Paulus spricht keinesfalls von seiner Gewohnheit oder einer jüdischen Gewohnheit, sondern von einer Anordnung, und zwar für Versammlungen, also für Christen: „Wie ich für die Versammlungen von Galatien angeordnet habe, so tut auch ihr.“

• Die Zusammenkünfte fanden vornehmlich am ersten Tag der Woche statt. Das geht aus Apostelgeschichte 20,7 hervor (dieselbe Konstruktion wie in Johannes 20,1).

4. Das Konstantinische Edikt

Hier soll nahegelegt werden, der Sonntag sei erst im Jahr 321 n. Chr. durch den römischen Kaiser Konstantin zu einem besonderen Tag für Christen gemacht worden. Was tatsächlich geschah, war aber etwas ganz anderes:

• Konstantin hatte das Christentum im Römischen Reich legalisiert – obwohl berechtigte Zweifel daran bestehen, ob er wirklich gläubig war.

• Er erklärte den ersten Tag der Woche – der schon seit den frühesten Tagen des Christentums von Christen als besonderer Tag geachtet wurde – zu einem gesetzlichen Feiertag:

• „Alle Richter, Stadtbewohner und Handwerker sollen am verehrungswürdigen Tag der Sonne (dies solis) ruhen.“ (Codex Justinianus, 3.12.2)

Diese Anweisung entspricht genau der für Konstantin so typischen Vermischung von Staat und Religion – und von Christentum und Heidentum („Tag der Sonne“). Daraus jedoch abzuleiten, der erste Wochentag sei erst von Konstantin zu einem besonderen Tag gemacht worden, ist unzutreffend.

5. Das Gesetz

Das zuletzt genannte Argument will nahelegen, in der Beobachtung des ersten Tages der Woche sei ein Abweichen vom Gesetz Moses zu sehen. Dieses schrieb vor, den Sabbat (also den siebten Tag der Woche) zu „heiligen“.

Allerdings ist hier zu bedenken, dass Gott das Gesetz vom Sinai seinem Volk (Israel) gab (2. Mo 19,5-8; 5. Mo 4,8) – und niemandem sonst. Selbst Christen, die jüdischer Abstammung sind, sind „dem Gesetz gestorben“ (Röm 7,4). Der Apostel warnt ausdrücklich davor, dass jemand gerichtet wird, der eine Speise isst, die nicht den „gesetzlichen Vorschriften“ entspricht, oder an einem Sabbat Tätigkeiten ausübt, die im Gesetz verboten waren (Kol 2,16.17). Die Galater werden scharf verurteilt, weil sie Tage (wie den Sabbat) hielten (Gal 4,10).

Es ist bedauerlich, wenn Christen sich freiwillig unter das Gesetz stellen möchten, obwohl sie „nicht unter Gesetz“ sind (Röm 6,14). Das Gesetz steht für Knechtschaft. Mit dem Christentum kamen die Freiheit und die Sohnschaft (Gal 3,23-26; 4,1-7).

Weitere Hinweise

Abschließend noch zwei weitere Hinweise. Sie zeigen, dass in Johannes 20 (und ähnlichen Stellen) nicht der Sabbat, sondern der erste Tag der Woche gemeint ist.

Hinweis 1: die Berichte in Matthäus 28 und Markus 16

Der Auferstehungsbericht bei Matthäus liefert einen weiteren Beweis, dass der erste Tag der Woche gemeint ist. Dieser Beweis ist sehr kurz und doch sehr schlagkräftig: „Aber nach dem Sabbat, in der Dämmerung des ersten Tages der Woche, kam Maria Magdalene … um das Grab zu besehen“ (Mt 28,1).

Wann kam Maria zum Grab? Matthäus gibt eine doppelte Zeitangabe. Es war „(am Tag) nach dem Sabbat“, und es war „am ersten Tag der Woche“. Man kann hier unmöglich übersetzen: „Aber nach dem Sabbat, in der Dämmerung des ersten Tages der Sabbate“. Das wäre widersinnig.

Markus bestätigt diesen zeitlichen Zusammenhang wie folgt: „Und als der Sabbat vergangen war, kauften [… sie …] Gewürzsalben … Und sehr früh am ersten Tag der Woche kommen sie zu der Gruft, als die Sonne aufgegangen war“ (Mk 16,1.2). Der „erste Tag der Woche“ war also der Tag nach dem Sabbat. Dadurch werden Übersetzungen wie „am ersten Sabbat“ o. ä. sachlich unhaltbar. Das wird durch Lukas 23,56 und 24,1 bestätigt: Die Frauen ruhten am Sabbat. Sie konnten dann unmöglich die Spezereien, die sie bereitet hatten, bevor sie ruhten, früh am Sabbat zur Gruft bringen. Nein, es war früh am ersten Tag der Woche.

Hinweis 2: der Festkalender in 3. Mose 23

Bereits im Gesetz vom Sinai wurde angedeutet, dass dem „Tag nach dem Sabbat“ eine besondere Bedeutung zukommt. Nicht weniger als dreimal treffen wir in 3. Mose 23 auf diesen Ausdruck (V. 11.15.16). Was steckt dahinter?

Dieses Kapitel enthält den Kalender der sieben jährlichen Feste Israels. Im Licht des Neuen Testaments wird klar, dass er einen Abriss über Gottes Heilsplan gibt. Dieser Kalender beginnt mit dem Kreuz (vorgeschattet im Passahfest) und endet mit dem Segen im Tausendjährigen Reich (vorgeschattet durch das Laubhüttenfest). Die Feste 3 und 4 fallen auf „den Tag nach dem Sabbat“. Hierbei handelt es sich um das Fest der Erstlingsgarbe (das von der Auferstehung Christi spricht) und um das Fest der Wochen (das Pfingstfest, das von der Entstehung der Versammlung spricht).

Diese beiden Feste fallen auf den „Tag nach dem Sabbat“ und damit auf den ersten Tag einer neuen Woche. Es ist beeindruckend, wie präzise Gottes Wort ist. Selbst der Wochentag der Auferstehung des Herrn wurde in den Vorbildern des Alten Testaments bereits genannt.

Fazit

Die Bibel selbst bezeugt: Jesus Christus ist am ersten Tag der Woche auferstanden. Das ist der Grund, warum dieser Tag seit den frühesten Tagen des Christentums für Christen eine besondere Bedeutung hatte – nicht auf Grundlage kirchlicher Tradition. Das Fundament ist die Auferstehung des Herrn Jesus Christus.


 


Fußnoten:

  1.  Im Hebräischen sind die Begriffe „Sabbat“ und „Woche“ ebenfalls eng miteinander verbunden. Erstens ist das Wort schabbat mit dem Wort schabua` (Woche) verwandt – das seinerseits von scheba`(sieben) kommt. Zweitens wird das Wort schabbat auch mit „Woche“ übersetzt. Nach dem Fest der Erstlingsgarbe sollten 50 Tage gezählt werden. Diese Zeitspanne von 50 Tagen wird mit „sieben volle Wochen“ wiedergegeben (3. Mo 23,15.16). Es ist notwendig, hier mit „Woche“ zu übersetzen, denn „sieben volle Sabbate“ ergäbe keinen guten Sinn.

  2. Hier steht sabbaton in der Einzahl. Das mag verschiedene Gründe haben (diese Formulierung hatte sich wahrscheinlich als feststehender Begriff eingebürgert, als Paulus an die Korinther schrieb und das Koine-Griechisch ist nicht immer einheitlich, etc.). Aber das ändert nichts daran, dass auch in 1. Korinther 16 eindeutig der erste Tag der Woche gemeint ist. Auch die Überschriften einiger Psalmen in der Septuaginta zeigen, dass es sich um einen feststehenden Ausdruck handelt: So trägt beispielsweise Psalm 23 die Überschrift „der erste Tag der Woche“ und Psalm 47 „der zweite Tag der Woche“. In beiden Fällen wird sabbaton im Singular verwendet. In Markus 16,9 steht ebenfalls die Einzahl, wenn auch dort in Verbindung mit der Ordinalzahl (prote), nicht der Kardinalzahl (mia). Das zeigt, dass beide Wendungen (Einzahl und Mehrzahl) je nach Zusammenhang „Woche“ statt „Sabbat“ bedeuten können.

Michael Hardt

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2025, Heft 11, Seite 7

Bibelstellen: Lukas 23,15.16.54.56; 1. Mose 1,2; Johannes 20,1; Apostelgeschichte 20,7; 1. Korinther 16,1.2; Römer 7,4; u. a.;

Stichwörter: Christus, erster Tag der Woche, Feiertag, Freiheit, Gesetz, Sabbat