Fragen und Antworten

An die Peiniger überliefert

Dann trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal? Jesus spricht zu ihm: Nicht bis siebenmal, sage ich dir, sondern bis siebzig mal sieben.

Matthäus 18,21.22

Frage: In Matthäus 18,34.35 steht: „Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Peinigern, bis er ihm die ganze Schuld bezahlt habe. So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergebt.“ Bedeutet das, dass Gläubige doch noch in der ewigen Pein enden können?

Antwort: Nein, das ist keineswegs der Fall. Das wird deutlich, wenn man sich das Gleichnis in Matthäus 18,21-35 genauer ansieht.

In diesem Gleichnis geht es um einen König, der mit seinen Knechten abrechnet. Einer seiner Knechte hat eine Millionenschuld, die er niemals zurückzahlen kann. Nachdem dieser Knecht den König um Erbarmen angefleht hat, erlässt der König ihm die Schuld. Kurz darauf trifft der Begnadigte einen anderen Knecht, der ihm umgerechnet nur einige Hundert Euro schuldet, die er nicht zurückzahlen kann. Anstatt Gnade zu zeigen, wirft der Knecht seinen Mitknecht ins Gefängnis. Als der König davon hört, sorgt er dafür, dass der böse Knecht ins Gefängnis zu den Peinigern (Folterknechten) gebracht wird.

Gnade und Autorität

Dieses Gleichnis ist ein Gleichnis vom Reich der Himmel. Das Reich der Himmel ist die Christenheit, wo sich viele Menschen zu Christus bekennen. Manchmal ist dieses Bekenntnis echt, manchmal nicht – die einen sind die guten, die anderen die bösen Knechte (vgl. Mt 18,32; 24,48; 25,26; Lk 19,22).

Das Reich der Himmel ist dadurch geprägt, dass man die Gnade und die Autorität Gottes kennt. Wer die Gnade Gottes verstanden und für sich in Anspruch genommen hat, wird auch anderen gegenüber gnädig sein.

Der böse Knecht in dem Gleichnis hat aber die Gnade überhaupt nicht wertgeschätzt – wie es auch viele heute tun, die sich Christen nennen und doch unbarmherzig sind. Wer so vollständig im Widerspruch zu der Offenbarung der Gnade in Christus handelt, bekommt es mit der Autorität Gottes in seiner Regierung auf der Erde zu tun. Gott bringt böse und unbarmherzige Knechte in die Schwierigkeiten, in die sie andere gebracht haben, damit diese bösen Knechte letztlich Buße tun und die Gnade Gottes dankbar und von Herzen annehmen.

Doch auch wahre Jünger können manchmal unbarmherzig sein – und dann bewirkt Gott in ihrem Leben ebenfalls Probleme. Dadurch sollen sie dahin geführt werden, ihre Sache zu ordnen und die praktische Gemeinschaft mit Gott wiederzuerlangen.

Die Sache mit dem Gefängnis

Bei der Überlieferung ins Gefängnis geht es um Schwierigkeiten auf der Erde und nicht um die ewige Pein. Zwei Überlegungen machen das noch deutlicher:

• Der böse Knecht lässt seinen Mitknecht ins Gefängnis werfen (Mt 18,30). Da Menschen niemanden in die Hölle werfen, kann sich dies nur auf die irdische Ebene beziehen, wo Menschen einander bedrängen. Was der König anschließend mit dem bösen Knecht tut (Mt 18,34), muss sich auf derselben Ebene bewegen und kann nicht plötzlich die Ewigkeit meinen.

• Für den bösen Knecht wird ein Ende der Strafe angedeutet: „… bis er ihm die ganze Schuld bezahlt habe.“ Der Gedanke, dass die Schuld abgetragen werden könnte, passt nicht zur ewigen Pein, denn in der Hölle kann nichts mehr in Ordnung gebracht werden.

Die angeführte Stelle in Matthäus 18 hat nichts mit der Frage zu tun, ob Gläubige ewig verloren gehen können. Sie macht aber deutlich, dass wir die Autorität Gottes in Zucht auf der Erde erfahren, wenn wir die Gnade Gottes nicht ausleben. Lasst uns deshalb stets von Herzen vergeben!

Gerrid Setzer

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2026, Heft 3, Seite 21

Bibelstellen: Matthäus 18,21-35; 24,48; 25,26; Lukas 19,22; Jakobus 2,13;

Stichwörter: Autorität, Böse, Gefängnis, Gnade, Gott, Mitknecht, Peiniger, Strafe, vergeben