Gott / Jesus Christus

Die Freude des Herrn, beim Vater zu sein

„Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich“ (Joh 14,28).

Siebenmal spricht der Herr Jesus in Johannes 13-17 davon, dass Er zum Vater geht (Joh 14,2.28; 16,10.15.28; 17,11.13) und einmal wird es über Ihn gesagt (Joh 13,1). Das zeigt, wie sehr Er sich darüber freute, nach vollbrachtem Werk zu seinem Vater zu gehen. Diese Freude war einerseits eine persönliche und andererseits eine selbstlose Freude im Blick auf die Jünger.

Seine persönliche Freude

Im Blick auf die Zukunft (aus damaliger Sicht) finden wir an unterschiedlichen Stellen im Wort Gottes verschiedene Gründe, warum der Herr Jesus sich freute. Ein Vergleich hilft, unseren Vers besser zu verstehen:

• Christus wird sich freuen, wenn Er sich auf seinen Thron auf der Erde (den Thron seines Vaters David) setzen und der jüdische Überrest Ihn umgeben wird. Das zeigen Stellen wie Zephanja 3,17 sehr deutlich: „Er freut sich über dich mit Wonne, er schweigt in seiner Liebe, frohlockt über dich mit Jubel”.

• Noch größer war seine Freude, sich zur Rechten des Thrones Gottes zu setzen. Das Angesicht Gottes ist für Ihn untrennbar mit Sättigung von Freude verbunden (Ps 16,11; vgl. 20,7b). Für diese vor Ihm liegende Freude erduldete Er sogar die ganze Schmach und Schande des Kreuzes (Heb 12,2).

• Doch die Freude, dass Er zu seinem Vater gegangen ist, kann man weder beschreiben noch fassen. Was muss es für Ihn gewesen sein, auch als Mensch dort zu sein, wo Er als der ewige Sohn schon vor Grundlegung der Welt gewesen war.

Diese zuletzt genannte Freude ist deswegen so groß, weil sein Platz im Haus und Schoß des Vaters ganz vertraut und persönlich ist. Der Schoß des Vaters ist mehr als jeder Thron. Denn jeder Thron betont eine öffentliche und amtliche Sicht. Aber das Haus und der Schoß betonen eine vertraute und persönliche Nähe. Diese Nähe, die Er als ewiger Sohn immer genossen hat, erlebt Er nun auch als Mensch.

Seine selbstlose Freude

Neben dieser persönlichen Freude gibt es noch eine zweite Seite. Und tatsächlich dachte Er zunächst an uns. Beim ersten Mal, als Er selbst davon sprach, in das Haus des Vaters zu gehen, dachte Er nicht an sich, sondern an seine Jünger bzw. uns (Joh 14,2.3).

Seine Freude, zum Vater zu gehen, war auch deswegen so groß, weil das für uns heute schon die höchsten und glücklichsten Beziehungen bedeutet (Joh 14,4-31) – und für die Ewigkeit, dass wir bei Ihm sein werden, um seine Herrlichkeit zu sehen (Joh 14,1-3; 17,24). Er freute sich, weil wir durch sein Hingehen zum Vater in glücklicher Beziehung zu Ihm selbst und zu seinem Vater leben können – durch den Heiligen Geist. Er und der Vater kommen jetzt schon zu uns, um Wohnung bei uns zu machen. Und Er freute sich, weil wir die Ewigkeit bei Ihm in den Wohnungen des Hauses seines Vaters verbringen werden.

Eine unverstandene Freude

Der menschgewordene Sohn des Vaters freute sich einerseits für sich persönlich und andererseits in seiner selbstlosen Liebe für uns, dass Er zum Vater hingehen würde. Doch bei den Jüngern stellte sich keine Freude ein. Deshalb musste Er ihnen sagen, „wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen”. Wie muss es den Herrn geschmerzt haben – Er blieb einsam und unverstanden. Doch es änderte nichts an seiner Freude. Obwohl sich die Jünger damals (und wir heute leider auch zu oft) nicht für Ihn freuten, freute Er sich für sie und uns.


Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet.

Johannes 14,3

Mario Wolff

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2026, Heft 3, Seite 25

Bibelstellen: Johannes 13–17; Zephanja 3,17; Psalm 16,11; 20,7; Hebräer 12,2;

Stichwörter: Freude, Herr, persönliche Freude, selbstlose Freude, unverstandene Freude, Vater