Eben-Eser
Und Samuel nahm einen Stein und stellte ihn auf zwischen Mizpa und Schen, und er gab ihm den Namen Eben-Eser und sprach: Bis hierher hat uns der Herr geholfen. 1. Samuel 7,12
Ein kurzer Rückblick in Israel
Zwanzig Jahre waren vergangen, seit der Herr die Bundeslade – den Ort des Gesetzes und das Zeichen seiner Gegenwart – zurück in das Gebiet Israels gebracht hat. Aufgrund der Sünde im Volk hatte Gott eingreifen und sie den Philistern überlassen müssen. Doch leider hatte sich in diesen zwanzig Jahren der Gnade nichts im Volk Israel zum Positiven verändert. Noch immer stand es unter der Fremdherrschaft der Philister und immer noch beteten sie andere Götter an. Trotzdem spürten die Israeliten die Schwere der Herrschaft der Philister. Für uns sind die Philister ein Bild der Welt, wie sie ihren ganzen bösen Einfluss unter die Gläubigen versucht, einzubringen, so dass die Herzen von Christus weggezogen werden.
Einflüsse im Leben des Christen: Götzen oder Gottes Wort
Sollte uns der Zustand des Volkes nicht nachdenklich machen? Trotz unserer Untreue hat Gott sich über uns erbarmt: Sind wir doch dazu berufen worden, seine Zeugen in einer Ihm feindlich gesinnten Welt zu sein. Er hat sich auch im letzten Jahr wieder erbarmt, indem Er nicht zugelassen hat, dass seine Gegenwart inmitten derer, die in seinem Namen versammelt sind, in Vergessenheit gerät.
Ebenso wenig hat Er zugelassen, dass sein Wort, das über Jahrhunderte der Finsternis ignoriert wurde, erneut begraben und verschüttet wird. Bis heute dürfen wir in dieser Hinsicht von der Zeit der Reformation und Erweckung profitieren. Aber was haben wir Christen aus dieser Gnade gemacht? Der Herr schenkte uns wieder Licht über sein Wort, seine Gedanken und seine Versammlung: Aber haben wir sie wirklich anerkannt und befolgt? Haben wir unsere armseligen Götzen aufgegeben und uns dem Wort Gottes zugewandt? Haben wir alles darangesetzt, die Einflüsse der Welt von uns fernzuhalten?
Vielleicht sind das einige Fragen, die wir uns zu Beginn eines neuen Jahres gefallen lassen müssen.
Bis heute hören wir unseren Herrn sprechen, wie Er schon damals bei Samuel in Mizpa gesprochen hat. Christus hat uns versammelt, um in der Welt ein Zeugnis für Ihn zu sein. Bis heute möchte Er uns um sich sammeln, wie einst das Volk Israel in Mizpa, wenn eine neue Zeit anbricht und Er wie Samuel zu uns reden möchte. Will Er nun, dass wir wieder neue Vorsätze fassen, die ebenso wenig umgesetzt werden wie die alten? Nein, dem Herrn geht es um Taten. Der Herr sucht nicht leere Vorsätze, sondern Er erwartet von uns, dass wir Ihm entsprechend handeln.
Ein Neuanfang braucht ein Bekenntnis
Das begriff Israel damals. Ohne länger zu zögern, entfernten sie die Baalim und die Astarot aus ihrer Mitte (V. 4). Aber beachten wir: So nötig wie diese konsequente Handlung war, so änderte sie doch nichts an der inneren Verfassung des Volkes. Nur äußerlich die Dinge aufzugeben, die für uns zu Götzen geworden sind, löst nicht unsere innere Verbindung mit der Welt.
Es ist nötig, dass wir uns erneut um den Herrn versammeln und tief in unserem Gewissen spüren, dass wir „gegen den Herrn gesündigt haben“ (V. 6). Wenn sich die Welt in unserem Leben eingeschlichen hat, dann müssen wir nicht nur äußerlich alles wegtun, was Gott entgegensteht – wir müssen uns vor Ihm beugen, wie es das Volk Israel damals durch sein Fasten ausdrückte. Und wenn wir dann jede Selbstsicherheit verloren haben, gilt es vor Ihm zu bekennen und unseren schwachen geistlichen Zustand anzuerkennen. Genau das taten die Israeliten damals, als sie „Wasser schöpften und es vor dem HERRN ausgossen“ (V. 6).
Das Bewusstsein der eigenen Schwäche bedeutet Stärke „von oben“
Sollten wir nicht die ersten Tage im neuen Jahr nutzen, zurückzuschauen und zu prüfen, wo die Welt und nicht das Wort Gottes unser Handeln, unsere Entscheidungen und unsere Wege bestimmt hat? Wenn wir aufrichtig mit unseren Götzen gebrochen haben und in Demut bekennen, dass wir nichts sind und nichts können angesichts der Macht des Feindes, dann werden wir erfahren, dass diese Macht der Welt keinerlei Einfluss auf den hat, der sich für uns hingegeben und uns von dieser Macht befreit hat. Er selbst erinnert uns daran: „In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33).
Mit diesem Wissen können wir die Welt und alles, was sie uns bietet, zurückweisen. Wir können den „Stein der Hilfe“ aufrichten, weil wir wissen, dass Er uns „bis hierher geholfen hat“. Und diese Hilfe wird Er uns auch weiterhin schenken. Er wird uns bis zum Ende beistehen. Hat Er nicht gesagt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,20)?