Ermutigung

Euer Herz werde nicht bestürzt

Gedanken zum Jahreswechsel

Der Jahreswechsel ist für viele von uns ein besonderer Moment. Wir halten Rückschau auf das, was gewesen ist, und fragen uns zugleich, was kommen mag. Das Vergangene wiederholt sich nicht, das Zukünftige wissen wir nicht. Gott weiß es. Oft ist der Jahreswechsel eine Zeit gemischter Gefühle – Dankbarkeit und Freude über das, was Gott getan hat und Trauer über verpasste Gelegenheiten, die nicht wiederkommen. Zugleich auch Unsicherheit, Sorge oder sogar Angst vor dem, was vor uns liegt.

Gerade in dieser Situation wollen wir uns an die Worte unseres Herrn an seine Jünger erinnern. Es sind Worte, die in einer ganz speziellen Situation gesprochen wurden, aber dennoch für uns heute bedeutsam und mutmachend sind.

„Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!“ (Joh 14,1).

Diese Worte sprach der Herr zu Jüngern, deren Zukunft für sie im Dunkeln lag. Ihr Meister würde sie bald verlassen. Die vertraute Gemeinschaft sollte in der bisher bekannten Form ein Ende finden. Sie verstanden nicht, was vor ihnen lag. Ihre Herzen waren unruhig und fragend – genau wie unsere manchmal beim Blick auf das, was vor uns liegt.

Die Aussage unseres Herrn ist ermutigend und zugleich herausfordernd. Er spricht nicht unseren Verstand an, sondern unser Herz – den Sitz unserer Gefühle, Befürchtungen und Hoffnungen, aber auch unserer Entscheidungen. Es ist gut zu wissen, dass der Herr unsere Herzen kennt. Ihm entgeht nichts.

Was unser Herz unruhig machen kann

Es gibt vieles in unserem Leben, was unser Herz „bestürzt machen“ kann und uns unruhig macht. Die Jünger damals erlebten Verunsicherung und fühlten sich überfordert. Uns bewegt vielleicht Ähnliches. Niemand weiß, was das neue Jahr bringt. Vielleicht Sorge um die Gesundheit, die Arbeit, unsere Beziehungen in Ehe und Familie, gesellschaftliche und politische Entwicklungen – und nicht zuletzt die Entwicklung in unserem gemeinsamen Leben als Kinder Gottes. Paulus spricht einmal von äußeren Kämpfen und inneren Befürchtungen (2. Kor 7,5). Persönliche Sorgen, offene Fragen und geistliche Kämpfe können unser Herz in der Tat bewegen und uns beunruhigen. Salomo schreibt: „… du weißt nicht, was ein Tag gebiert“ (Spr 27,1). Es ist einerseits ein Segen, dass wir die Zukunft nicht kennen. Andererseits kann uns das, was uns verborgen bleibt, unsicher machen und diese Unsicherheit kann zu bestürzten Herzen führen.

Der Herr kennt unsere Herzen

Die gute Nachricht in dieser Situation ist, dass der Herr unsere Herzen kennt. Er kennt sie besser als jeder andere Mensch, sogar besser als wir selbst sie kennen. Er sieht unsere Sorgen und Befürchtungen, bevor wir sie aussprechen. Er kennt die Antworten auf Fragen, die wir haben. Er weiß, was uns und unsere Herzen bewegt. Keine Regung des Herzens ist Ihm unbekannt. Der Herr Jesus versteht unsere Empfindungen, weil Er selbst Mensch geworden ist und auf der Erde gelebt hat. Er kennt äußeren und inneren Druck. Er weiß, wie sich Ablehnung und Einsamkeit anfühlen. Er war selbst traurig, erlitt Schmerzen und wurde bitter enttäuscht – und das nicht nur von seinen Feinden, sondern von Menschen, die Ihm sehr nahestanden. Der Herr weiß um alle Herausforderungen unseres Lebens. Und Er hat mit unseren Schwachheiten Mitleid (Heb 4,15).

Warum unsere Herzen nicht unruhig sein müssen

Es gibt gute Gründe, warum ein Christ ruhig bleiben darf – selbst in einer unruhigen Zeit und Welt, die wir nicht verändern können. Wir leben im Glauben. Die Jünger wurden damals genau dazu motiviert. Sie glaubten an Gott und sollten nun – nachdem der Herr von ihnen wegging – auch an Ihn glauben. Dieser Glaube schließt das Vertrauen in Ihn ein. Glaube heißt: Vertrauen, auch wenn man nichts sieht, und die Kontrolle bewusst in seine Hand legen. Ihm ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde (Mt 28,18). Er steht über allem. Deshalb ist unser Leben in seiner Hand sicher geborgen. Er bleibt derselbe gestern und heute und in Ewigkeit (Heb 13,8). Wenn die Liebe Christi im Glauben unser Herz erfüllt, kann sich Furcht dort nicht festsetzen. Die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus (1. Joh 4,18)

Was unruhige Herzen ruhig macht

Der Herr Jesus gibt uns in Johannes 14 eine Reihe von „Argumenten“, die unsere Herzen ruhig machen. Hier nur einige davon. Er spricht zuerst von dem Haus seines Vaters, in dem viele Wohnungen sind (Joh 14,2). Er gibt den Jüngern damit eine ganz neue Perspektive und eine lebendige Hoffnung. Diese Hoffnung motiviert uns, im Vertrauen zu Ihm in das neue Jahr zu gehen. Dieses Lebensziel prägt unser Leben heute. Wer weiß, wohin die Reise geht, kann unterwegs ruhig bleiben. Es ist wahr, dass Christus uns keine ruhige Lebensreise versprochen hat, wohl aber eine sichere Ankunft (vgl. Ps 107,30). Das gibt uns die richtige Einstellung zu den Dingen der Erde. Unsere Heimat ist nicht hier, sondern bei Ihm. Wir warten auf den, der kommt, um uns dahin zu bringen, wo Er ist.

Auf dem Weg zu dem Ziel erleben wir einen Vorgeschmack auf das Vaterhaus. Dort sind die Wohnungen, wo wir einmal sein werden. Doch bis es so weit ist, sind wir nicht verwaist (Joh 14,18). Vater und Sohn kommen zu uns, um bei uns Wohnung zu machen (Joh 14,23). Die Liebe, die das Haus des Vaters prägt, genießen wir heute schon. Christus gibt uns die Zusage, dass der Vater uns liebt und dass wir von Ihm geliebt sind (Joh 14,21). Können unsere Herzen in dieser Atmosphäre der Liebe in der Gemeinschaft mit Vater und Sohn bestürzt sein?

Und noch etwas. Gegen Ende von Johannes 14 kommt der Herr Jesus noch einmal auf unsere Herzen zu sprechen. „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam“ (Joh 14,27). Der Friede, den Christus als Mensch auf der Erde genoss, wird uns hier von Ihm selbst versprochen. Es ist ein Friede, den Er in den schwierigsten Umständen des Lebens gehabt hat. Unsere Herzen müssen nicht sorgenvoll und angstvoll in die Zukunft sehen.

Ein Herz in Ruhe

„Euer Herz werde nicht bestürzt“ – das ist kein Befehl, sondern eine liebevolle Einladung unseres Herrn an jeden von uns. Er möchte, dass wir innerlich zur Ruhe kommen – zu der Ruhe, die Er selbst als Mensch auf der Erde hatte. Wir sind nicht deshalb ruhig, weil alles gut ist, sondern weil Er gut ist. Wir sind nicht deshalb ruhig, weil wir alles verstehen, sondern weil wir dem vertrauen, der alles weiß und in der Hand hat. Ein Herz, das in Christus ruht, ist kein Herz ohne Bewegung, sondern ein Herz, das weiß, wo es zur Ruhe kommt, nämlich im Vertrauen auf den Herrn, in der Gemeinschaft mit Ihm, in der Gewissheit seiner Liebe und in der Hoffnung auf sein Kommen.

So dürfen wir in das neue Jahr gehen – nicht angstvoll und unruhig, sondern im inneren Frieden und der Hoffnung, die vor uns liegt und die ein fester Anker der Seele ist
(Heb 6,18.19). Nicht sorglos und leichtfertig, und doch um nichts besorgt (Phil 4,6).

Mit den Söhnen Korahs sagen wir: „Was beugst du dich nieder, meine Seele, und was bist du unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihn noch preisen, der die Rettung meines Angesichts und mein Gott ist“ (Ps 42,12).


Den festen Sinn bewahrst du in Frieden, in Frieden; denn er vertraut auf dich.

Jesaja 26,3

Ernst-August Bremicker

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2026, Heft 1, Seite 3

Bibelstellen: Johannes 14,1.2.18.21.23; 2. Korinther 7,5; Sprüche 27,1; Hebräer 4,15; Psalm 42,12; 107,30; Philipper 4,6; Jesaja 26,3;

Stichwörter: bestürzen, beunruhigen, Frieden, Glaube, Herz, ruhig, Sorge, Vertrauen