Nehemia räumt auf
Seid heilig, denn ich bin heilig.
1. Petrus 1,16
Etwa 12 Jahre hatte Nehemia sich in Jerusalem aufgehalten, um die Mauer Jerusalems wiederaufzubauen und das Leben in der Stadt nach den Anweisungen Gottes zu reorganisieren. Danach war er wieder an den Königshof Artasastas zurückgekehrt.
Aber die Situation der zurückgekehrten Juden in Israel beschäftigte ihn weiter. Und so erbat er sich nochmals Urlaub beim König, um Jerusalem erneut aufzusuchen (Neh 13,6).
Wie lange Nehemia abwesend war, ist nicht bekannt. Doch als er nach Jerusalem zurückkehrte, musste er feststellen, dass sich die Dinge in der Zwischenzeit zum Schlechten entwickelt hatten.
„Und ich bemerkte das Böse, das Eljaschib zugunsten Tobias getan hatte, indem er ihm eine Zelle in den Höfen des Hauses Gottes gemacht hatte. Und es missfiel mir sehr, und ich warf alle Hausgeräte Tobijas aus der Zelle hinaus; und ich befahl, dass man die Zellen reinigen sollte; und ich brachte die Geräte des Hauses Gottes, das Speisopfer und den Weihrauch wieder hinein“ (Neh 13,7-9).
Was war geschehen? Eljaschib, der Hohepriester (Neh 3,1), hatte Tobija, einem der bösartigen Feinde des Volkes Gottes, Zugang zum Tempel verschafft. Er hatte eine der Zellen zweckentfremdet und Tobija zur Verfügung gestellt.[1]
Zwei Dinge markieren die höchst kritische Situation:
• Nicht irgendwer vom Volk, sondern ausgerechnet der Hohepriester Eljaschib, der Gott und seine Interessen am deutlichsten hätte vertreten sollen, hatte diese schwerwiegende Tat begangen.
• Nicht irgendwo im Volk Gottes war das Böse aufgetreten, sondern ausgerechnet im Bereich des Wohnortes Gottes hatte der feindliche Tobija Zugang erhalten.
Nehemia war sichtlich erschüttert und tief betroffen. Der Heilige Geist weist auf fünf Verhaltensweisen Nehemias hin, die für uns heute eine klare Botschaft darüber enthalten, wie Böses im Haus Gottes gottgemäß behandelt werden sollte. Darüber hinaus können wir aber auch etwas für die persönliche Lebensführung lernen.
Nehemia bemerkt etwas im Haus Gottes
Offensichtlich war Nehemia mit offenen Augen im Bereich des Tempels unterwegs, denn er bemerkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Das gravierende Böse wurde von ihm gleich erkannt und identifiziert.
Das löst die Frage aus, inwiefern heute im Haus Gottes – wir könnten sagen: in den örtlichen Versammlungen – Brüder und Schwestern da sind, die ein wachsames Auge dafür haben, ob es Entwicklungen unter den Geschwistern gibt, die gegen Gottes Wort sind. Es geht um Böses (nicht um Geschmacksfragen), das im Gegensatz zu Gottes Heiligkeit steht. Wir wollen uns sensibilisieren lassen, das Zusammenkommen und Zusammenleben in der örtlichen Versammlung mit den Augen des Herrn Jesus zu sehen, um Abweichungen sofort erkennen zu können.
Das gilt aber nicht nur für das gemeinschaftliche Leben – das gilt genauso für das persönliche Leben. Nur durch aufmerksames Lesen des Wortes Gottes sind wir in der Lage, im persönlichen Leben Entwicklungen zu bemerken, die nicht in Übereinstimmung mit dem sind, der uns zur Heiligkeit berufen hat (vgl. 1. Pet 1,15).
Nehemia missfällt etwas im Haus Gottes
Der Hinweis des Heiligen Geistes auf das Missfallen Nehemias gibt auch uns eine wichtige Lektion. Offensichtlich sind es gottgemäße Empfindungen über das Böse, die Nehemia bewegen.
Wenn Böses im Haus Gottes auftritt, ist es enorm wichtig, nicht mit fleischlichen Emotionen, sondern mit gottgemäßen Empfindungen zu reagieren. Der Herr Jesus ist hier das vollkommene Vorbild: „Und er blickte auf sie umher mit Zorn, betrübt über die Verstocktheit ihres Herzens“ (Mk 3,5). Es geht nicht nur darum, das Böse mit den Augen Gottes wahrzunehmen, sondern auch mit gottgemäßen Empfindungen und Beurteilungen – in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes. Nur so bleiben wir vor überzogenen Reaktionen sowie vor Gleichgültigkeit bewahrt.
Und wenn in unserem persönlichen Leben etwas vorhanden ist, das gegen Gottes Wort und damit sündig ist, dann stellt sich auch bei uns die Frage, ob wir gottgemäße Empfindungen darüber haben und Leid tragen. Ein oberflächliches Bekenntnis ist keine angemessene Reaktion. Es geht vielmehr darum, ein Bewusstsein darüber zu haben, dass der Herr Jesus wegen genau dieser Sünde im Gericht Gottes unendlich leiden und in den Tod gehen musste.
Nehemia beseitigt das Böse im Haus Gottes
Missfallen allein reicht nicht aus. Konsequentes Handeln in Gemeinschaft mit Gott ist gefragt. Und so entfernt Nehemia den gesamten Hausrat Tobijas aus der Zelle des Hauses Gottes. Er nimmt keine falsche Rücksicht auf Eljaschib, den amtierenden Hohenpriester, sondern handelt entschieden und konsequent.
Trennung vom Bösen ist unbedingt notwendig, um der Heiligkeit des Hauses Gottes gerecht zu werden. „Seid heilig, denn ich bin heilig“ – so lautet die Aufforderung des Apostels in 1. Petrus 1,16. Das sollte auch uns sensibel machen und uns gleichzeitig davor bewahren, falsche Rücksicht auf die Person zu nehmen, die Böses in die Mitte der Versammlung gebracht hat (vgl. 1. Pet 1,17). Gelebte Heiligkeit ist Voraussetzung für den bleibenden Genuss der Gegenwart Gottes.
Für das persönliche Glaubensleben gilt: Ein aufrichtiges Bekenntnis führt dazu, dass man von der Sünde lässt, sich klar und eindeutig davon distanziert und sie nicht mehr praktiziert. Sprüche 28,13 macht klar: „Wer seine Übertretungen verbirgt, wird kein Gelingen haben; wer sie aber bekennt und lässt, wird Barmherzigkeit empfangen.“
Nehemia reinigt die Zelle im Haus Gottes
Nehemia hatte auch ein Empfinden dafür, dass durch Tobija und seinen Hausrat das Haus Gottes verunreinigt war. Zusätzlich zum Entfernen des Hausrats von Tobija war die Reinigung der Zelle erforderlich, damit sie wieder dem gottgewollten Zweck zur Förderung des Tempeldienstes entsprechen konnte.
In dem Reinigen der Zelle könnte man ein Hinweis darauf sehen, dass offenbar gewordene Sünde nicht nur eine äußere Trennung notwendig macht, sondern auch von einer inneren Reinigung begleitet sein muss. Es ist notwendig, den Ausgangspunkt des Abweichens von Gottes Wort zu identifizieren. Gottgemäße Buße ist Voraussetzung für Reinheit und Heiligkeit. Paulus schreibt den Korinthern: „Denn siehe, eben dieses, dass ihr Gott gemäß betrübt worden seid, wie viel Fleiß hat es bei euch bewirkt! Sogar Verantwortung, sogar Unwillen, sogar Furcht, sogar Sehnsucht, sogar Eifer, sogar Vergeltung. Ihr habt in allem bewiesen, dass ihr an der Sache rein seid“ (2. Kor 7,11).
Das, was Paulus der örtlichen Versammlung in Korinth schrieb, gilt dem Grundsatz nach genauso für das persönliche Leben. Wir dürfen den Herrn Jesus bitten, uns die Wurzel der bösen Handlung zu zeigen – wie es so weit kommen konnte, dass wir gesündigt haben. Und dann müssen wir uns bewusst machen, dass nicht weniger als der Tod des Herrn Jesus notwendig war, „uns zu reinigen von aller Ungerechtigkeit“ (1. Joh 1,9).
Nehemia bringt das Richtige in die Zelle des Hauses Gottes hinein
Nehemia kümmerte sich auch engagiert darum, dass die Zelle des Tempels wieder im Sinn Gottes genutzt wurde. Geräte, die für den Dienst im Haus Gottes gebraucht wurden sowie Speisopfer und Weihrauch, wurden wieder in die Zelle hineingebracht. Erst damit war das Werk der Wiederherstellung abgeschlossen und die Angelegenheit nach den Gedanken Gottes in Ordnung gebracht.
Am Beispiel der öffentlichen Wiederherstellung von Petrus wird deutlich, dass es dem Herrn Jesus nicht darum ging, dass Dinge nur einfach in Ordnung gebracht werden. Er hatte auch einen neuen Auftrag für seinen geliebten Jünger, der so tief gefallen war. Petrus sollte sich künftig um die Schafe kümmern, die dem Herrn Jesus so sehr am Herzen lagen. Johannes Markus ist ein weiteres Beispiel dafür, dass der Herr Jesus durchaus wieder Aufgaben für solche hat, die nach einem Versagen wiederhergestellt wurden. Auch wenn Sünde im Haus Gottes aufgetreten ist – wichtig ist am Ende, dass das Werk des Herrn, dass seine Interessen wieder gefördert werden.
Das Beispiel Nehemias darf uns auch in der persönlichen Lebensführung ermutigen, nach erfolgter Wiederherstellung im Dienst für Ihn und seine Interessen weiterzumachen.

Fußnoten:
Unter diesen Zellen haben wir wohl räumliche Anbauten rund um das eigentliche Tempelgebäude zu verstehen. In Nehemia 10,40 kann man dazu lesen: „Denn in die Zellen sollen die Kinder Israel und die Kinder Levi das Hebopfer vom Getreide, vom Most und Öl bringen; denn dort sind die heiligen Geräte und die Priester, die den Dienst verrichten, und die Torhüter und die Sänger.“