Der Sabbat und der erste Tag der Woche
Der Sabbat
Die Auferstehung des Herrn Jesus am Morgen des ersten Wochentags (das ist der Sonntag) nach seinem Tod am Kreuz war die Krönung des Erlösungswerkes. Denn dadurch wurde bewiesen, dass Er wirklich der Sohn Gottes ist, der den Tod zunichtegemacht und Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht hat (Röm 1,4; 2. Tim 1,10). Durch seine Auferstehung hat Christus als Erster den Menschen Licht verkündigt (Apg 26,23). Er war tot und ist lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit (Off 1,18). Nie werden wir aufhören, Ihn dafür zu preisen!
Der Auferstehungstag des Herrn war damals und noch lange danach ein normaler Arbeitstag. Der von Gott geheiligte Ruhetag der ersten Schöpfung war der Sabbat (das ist Samstag oder Sonnabend), wie 1. Mose 2,1-3 zeigt. Der Sabbat war eins der besonderen Kennzeichen des Volkes Israel. Kaum ein anderes Gebot wurde so ausführlich erklärt und so häufig erwähnt wie das Gebot, den Sabbat zu halten (2. Mo 20,8-11; 31,13-17; 35,2.3; 3. Mo 19,30; 23,3; 26,2; 5. Mo 5,12). Sechs Tage sollte der Mensch arbeiten, also von Sonntag bis Freitag, und am Sabbat sollte er ruhen, so wie Gott von seinem Schöpfungswerk geruht hatte.
Durch den Sündenfall war die Ruhe in der Schöpfung zerstört worden. Obwohl der Sabbat beständig an die Ruhe Gottes erinnern sollte, gab es wegen der Sündhaftigkeit der Menschen keine wahre Ruhe. Auch die von Gott für sein Volk vorgesehene Ruhe im Land Kanaan wurde von den meisten Israeliten wegen ihres Unglaubens nicht erreicht und war letztlich keine wahre Ruhe (vgl. 5. Mo 12,9; Ps 95,11; Heb 3,7-4,11). Daher bleibt für die Zukunft „eine Sabbatruhe dem Volk Gottes übrig“ (Heb 4,9), auf die auch wir uns freuen dürfen.
Aufgrund der Sünde kann wahre Ruhe nicht mehr durch menschliche Werke erreicht werden, sondern nur durch das Eingreifen und Wirken Gottes. Deshalb sagte der Herr Jesus zu den Juden: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke“ (Joh 5,17). Er war in seinem ganzen Leben rastlos und unermüdlich tätig. Das größte Werk vollbrachte Er nach Gottes Plan am letzten Arbeitstag der israelitischen Woche, am Freitag. Welche Bedeutung haben auch unter diesem Gesichtspunkt die Worte des Erlösers: „Es ist vollbracht!“ Die Mühsal seiner Seele ist für ewig vorüber! Nun konnte es erstmals nach der Vollendung der ersten Schöpfung wieder einen Sabbat wahrer Ruhe geben, wenn auch das herrliche Ziel noch nicht völlig erreicht war.
Ein neuer Anfang
Nachdem der Leib unseres Erlösers den Sabbat über im Grab geruht hatte, brach mit dem nächsten Tag die neue Woche an.2 Dieser neue Tag war zugleich der Anfang eines neuen Zeitalters, ja, einer neuen Schöpfung. Es war ein Tag des Triumphs, der Freude und des Segens.
Auch dieser „Tag nach dem Sabbat“ oder, wie er im Neuen Testament genannt wird, der „erste Tag der Woche“ (vgl. Mt 28,1) wird bereits im Alten Testament erwähnt, und zwar bei den Vorschriften über die Feste des Herrn in 3. Mose 23. Zwei der insgesamt sieben Feste fanden am „Tag nach dem Sabbat“, also am ersten Wochentag, statt. So hat Gott in seinem Wort schon früh auf den zukünftigen Neuanfang durch die Auferstehung Christi am ersten Tag der Woche hingewiesen. Betrachten wir deshalb kurz diese beiden israelitischen Feste, besonders das erste, um die Gedanken Gottes über den ersten Tag der Woche besser zu verstehen.
Das Fest der „Garbe der Erstlinge“ war das dritte der sieben Feste und stand am Anfang der gesamten Ernte. In 3. Mose 23,5 wird als erstes Fest das Passah beschrieben, das am 14. Tag des ersten Monats gefeiert wurde und ein Bild des Opfers des Herrn Jesus ist, wie wir in 1. Korinther 5,7 lesen: „Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden.“ Unmittelbar auf das Passah fand das zweite, das siebentägige Fest der ungesäuerten Brote statt, das von dem geheiligten Leben der Gläubigen spricht (3. Mo 23,6-8; 1. Kor 5,8). Am Tag nach dem folgenden Sabbat musste die Erstlingsgarbe gebracht werden. Das war der Sonntag nach dem Passahfest. An diesem Tag wurde ein Bündel Gerstenhalme mit Ähren (eine „Garbe“) als Zeichen des Anfangs der Ernte zum Priester gebracht und von diesem vor dem Herrn gewebt, das heißt hin und her bewegt (3. Mo 23,10.11). Das weist auf die Auferstehung des Herrn Jesus hin, den „Erstling der Entschlafenen“ und den „Erstgeborenen aus den Toten“ (1. Kor 15,20; Kol 1,18). Alle, die an Ihn glauben, bilden die große, gesegnete Ernte Gottes, deren Erstling der auferstandene Christus ist. Da das Passah am 14. Abib, also an einem festen Tag des Monats, die Darbringung der Erstlingsgarbe jedoch am ersten Tag einer Woche stattfand, konnte es praktisch zwischen einem und sieben Tagen dauern, bis der nächste Tag nach dem Sabbat erreicht war.
Gott hat es nun so gelenkt, dass der Herr Jesus an einem Freitag gekreuzigt wurde und am dritten Tag danach, an einem Sonntag, aus den Toten auferstand. So wurden die Vorbilder von Passah und Erstlingsgarbe genau in Übereinstimmung mit der Prophetie erfüllt. Denn der Herr Jesus hatte den Juden vorausgesagt, dass Er das „Zeichen Jonas“ erfüllen würde: „Denn so wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte3 in dem Herzen der Erde sein“ (Mt 12,40). Wie wunderbar und vollkommen fügen sich die Teile des Wortes Gottes ineinander!
Sieben Wochen nach dem Fest der Erstlingsgarbe, dem Bild der Auferstehung Christi, fand das Fest der Wochen statt (3. Mo 23,15-21). Es heißt dazu: „Bis zum anderen Tag nach dem siebten Sabbat sollt ihr fünfzig Tage zählen; und ihr sollt dem HERRN ein neues Speisopfer darbringen“ (V. 16). Es ist nicht schwer herauszufinden, dass dieses Fest identisch ist mit dem Pfingstfest, das in Apostelgeschichte 2,1 seine Erfüllung fand. Die Worte, dass „der Tag der Pfingsten erfüllt wurde …“ haben also eine doppelte Bedeutung. Pfingsten kommt aus dem Griechischen hemera pentekostè und bedeutet „der fünfzigste Tag“ – genau wie es in 3. Mose 23,16 geschrieben steht. Aber nun waren nicht nur die 50 Tage bis zu diesem jüdischen Fest erfüllt, sondern auch dessen vorbildliche Bedeutung erfüllte sich durch die Gründung der Versammlung an ebendiesem Tag. Auch dies fand an einem Sonntag statt, dem „anderen Tag nach dem Sabbat“.
Der Tag des Herrn
Wenn wir auch nirgendwo im Neuen Testament ein ausdrückliches Gebot zur Beachtung des ersten Wochentages finden, können wir doch aus verschiedenen Stellen entnehmen, dass die ersten Christen diesen Tag über alle anderen stellten und ihn als besonderen Tag begingen. Die Jünger des Herrn waren nicht nur an seinem Auferstehungstag versammelt, sondern auch am nächsten Sonntag, ohne dass wir von einer Aufforderung dazu lesen (Joh 20,19.26). Als die Versammlung am Tag der Pfingsten entstanden war, brachen die Gläubigen zunächst täglich das Brot, aber schon bald geschah dies regelmäßig „am ersten Tag der Woche“ (Apg 2,46; 20,7). In dieselbe Richtung weisen die Worte, mit denen der Apostel Paulus die Korinther ermunterte, „an jedem ersten Wochentag“ Geld für die Unterstützung der Armen bei sich zurückzulegen (und in den Zusammenkünften zusammenzulegen), damit nicht erst dann, wenn er käme, solche Sammlungen erfolgen müssten (1. Kor 16,2). Im letzten Buch des Neuen Testaments wird vom Apostel Johannes der Name „Tag des Herrn“ für den ersten Tag der Woche benutzt (Off 1,10). Am Ende des ersten Jahrhunderts hat dieser Tag nicht nur einen festen Platz im Leben der Christen erhalten, sondern trägt auch einen würdigen Namen: der dem Herrn gehörende Tag (griech. kyriakè hemera). Es ist der besondere, der erste Tag der Woche, an dem auch wir heute noch das Mahl des Herrn (eig. das dem Herrn gehörende Mahl, s. 1. Kor 11,20) begehen und Ihm und dem Vater unsere Anbetung bringen.
Es dauerte noch mehrere Jahrhunderte, bis 321 n. Chr. unter dem römischen Kaiser Konstantin dem Großen der Sonntag als offizieller christlicher Ruhetag eingeführt wurde. Der Sonntag ist für den Christen jedoch kein Tag des Ausruhens wie der Sabbat, sondern der Tätigkeit für unseren Herrn. Dazu dienen besonders die Zusammenkünfte in seinem Namen.
Im Jahr 1976 ist Europa von der Jahrhunderte lang beachteten biblischen Ordnung der Wochentage abgewichen und hat den Montag kalendarisch zum ersten Wochentag erklärt. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass nach Gottes Wort der Sonntag der erste Tag der Woche und der Tag des Herrn ist. Er erinnert uns immer wieder an sein Werk und an seine siegreiche Auferstehung! Es ist der Ihm gehörende Tag, den auch wir Ihm immer wieder neu weihen dürfen!
Zusammenfassung:
Seit der Schöpfung galt der Sabbat (Samstag), der siebte Tag der Woche, als Ruhetag Gottes, besonders für das Volk Israel. Doch durch die Auferstehung des Herrn Jesus wurde diese Ordnung geändert. Er stand am ersten Tag der Woche, dem Sonntag, aus den Toten wieder auf und gab dadurch den Seinen ein Zeichen, dass dies ab jetzt sein Tag, der „Tag des Herrn“, sein würde.
2 Die biblische Woche beginnt mit dem Sonntag als dem ersten und endet mit dem Sabbat oder Samstag als dem letzten Tag.
3 An anderen Stellen heißt es „nach drei Tagen“ oder am „dritten Tag“, was genau dasselbe besagt (z. B. Mk 8,31; 9,31; Mt 16,21; 17,23; vgl. besonders Mt 27,63.64). Jeder angebrochene Tag zählte also als ganzer Tag.
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