Belebung
Belebe mich nach deiner Güte, und ich will das Zeugnis deines Mundes beachten.
Psalm 119,88

In Lukas 24 werden verschiedene Personen vorgestellt, die enttäuscht und niedergeschlagen waren. Für sie war eine Welt zusammengebrochen: Ihr geliebter Herr war gestorben, und mit seinem Tod hatte auch ihre Hoffnung auf die Erlösung Israels ein abruptes Ende gefunden (V.1). Ihre Erwartungen hatten sich nicht erfüllt. Sie sahen keine Perspektive mehr. Doch der auferstandene Herr überließ die Seinen nicht sich selbst. Er kümmerte sich um sie und tat alles, um ihre niedergeschlagenen und mutlosen Herzen wieder aufzurichten und neu zu beleben. Dazu richtete Er ihre Blicke auf sich selbst und sein Wort (Ps 119,107).
Die Frauen an der Gruft
Die Frauen, die an jenem ersten Tag der Woche zur Gruft des Herrn kamen, um seinen Leib zu salben, waren niedergedrückt und traurig. Ihr Herr war auf schmähliche Weise gekreuzigt und dann in Eile begraben worden. Sie hatten seinen Leib nicht einmal salben können. Als sie nun zur Gruft kamen, um dies nachzuholen, sahen sie, dass der Stein von der Gruft weggewälzt und die Gruft leer war (V. 2.3). All das konnten sie sich nicht erklären. Verlegenheit machte sich unter ihnen breit. Doch ihr Herr ließ sie nicht lange in diesem bemitleidenswerten Zustand. Zwei Engel in strahlenden Kleidern traten zu ihnen (V. 4).
Jeder, der den Herrn aufrichtig sucht, wird Ihn finden (Mt 7,7). Auch die Frauen suchten nicht vergeblich: Der Herr schickte zwei Engel, um sie an die Worte zu erinnern, die Er zu ihnen geredet hatte (V. 6). Hatte Er ihnen nicht gesagt, dass Er in die Hände sündiger Menschen überliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen würde (V. 7)? Die Erinnerung an seine Worte schenkte ihnen Trost und richtete sie wieder auf (V. 8). Mit belebten Herzen kehrten sie von der Gruft zurück und erzählten allen, was sie gesehen und gehört hatten (V. 9).
Vielleicht sind auch wir manchmal „verlegen“, weil wir manche Ereignisse in unserem Leben nicht richtig einordnen können. Aber gerade dann kann uns sein Wort helfen, indem es uns wieder Halt und Orientierung gibt. Wenn wir uns mit den Worten unseres Herrn beschäftigen, wird das immer einen belebenden Einfluss auf uns haben. Und die Folge wird sein, dass wir den Trost und die Ermunterung, die wir dadurch erfahren haben, anderen weitergeben möchten (2. Kor 1,4). Belebte Herzen können nicht schweigen: Sie müssen anderen weitererzählen, was sie selbst erlebt haben (Mt 12,34).
Die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus
Enttäuscht und niedergeschlagen machten sich an jenem Tag zwei Jünger auf den Weg von Jerusalem nach Emmaus. Ihre Hoffnungen hatten sich nicht erfüllt: Jesus, ihr Messias, war gestorben. Der, auf den sie ihre ganze Hoffnung gesetzt hatten, war nicht mehr da.[1] Auf dem Weg unterhielten sie sich über die Ereignisse, die sich in Jerusalem zugetragen hatten (V. 14). Ihr Thema war Christus.
Der Herr sah die beiden Jünger, die niedergeschlagen ihren Weg gingen. Er selbst näherte sich und ging mit ihnen (V. 15). Wir fragen uns: Hatte der Auferstandene in diesem Moment – in Ehrfurcht gesprochen – nichts anderes zu tun, als sich den beiden anzuschließen, die eigentlich hätten wissen müssen, was Er ihnen zuvor immer wieder gesagt hatte? Nein, Ihm lag so sehr an ihnen, dass Er es sich zur „Chefsache“ machte, ihre Herzen zu trösten und wieder neu zu beleben.
Die zwei Jünger erkannten den Herrn nicht (V. 16). Obwohl Er genau wusste, warum die beiden so traurig und enttäuscht waren, fragte Er sie nach dem Thema ihrer Unterhaltung (V. 17.19). Warum tat Er das? Er wollte aus ihrem eigenen Mund hören, was sie bewegte. Der Herr kennt auch unsere Bitten und Gedanken, bevor wir sie auf den Lippen haben. Und doch möchte Er sie von uns hören. Er möchte, dass wir unsere Bitten vor Ihn bringen und unsere Abhängigkeit von Ihm zeigen.
Auf die Frage des Herrn antworteten sie: „Das von Jesus … “ (V. 19). Wie kreisten ihre Gedanken doch um das, was in Jerusalem geschehen war! Das, was sie dem Herrn berichteten, zeigt, dass sie nicht nur traurig, sondern auch verwirrt waren. Sie konnten die Ereignisse nicht richtig einordnen. Sie sahen alles Mögliche, nur Ihn nicht (V. 22-24). Ergeht es uns manchmal nicht ähnlich? Wir sehen das Verhalten von Bruder X, das Benehmen von Schwester Y, aber den Herrn, die Hauptsache, sehen wir nicht. Fragen wir uns doch einmal am Ende einer Zusammenkunft, was wir gesehen haben: Ihn, oder nur Äußerlichkeiten?
Schließlich erklärte der Herr ihnen in allen Schriften (des Alten Testaments) das, was Ihn selbst betraf (V. 27). Allein das Wort Gottes konnte ihnen in dieser Situation wieder Halt geben und sie innerlich zur Ruhe bringen. Aber noch mehr: Die Beschäftigung mit Christus in den Schriften brachte ihre traurigen und niedergebeugten Herzen zum Brennen (V. 32). Auch wenn die Situation sich äußerlich in keinerlei Hinsicht verändert hatte – ihre Herzen waren völlig verändert. Nachdem sie den Herrn schließlich in ihr Haus aufgenommen und Er sich ihnen zu erkennen gegeben hatte, waren sie nicht mehr zu bremsen: Zur späten Stunde kehrten sie wieder nach Jerusalem zurück (V. 33). Wir lernen: Brennenden Herzen ist kein Weg zu weit, aber trägen Herzen ist jeder Schritt zu viel.
Der Kreis der Jünger in Jerusalem
Als die zwei Jünger in Jerusalem ankamen, erzählten sie den anderen, was auf dem Weg geschehen war und wie sie den Herrn beim Brechen des Brotes erkannt hatten (V. 35). Kurz darauf trat der Herr selbst in die Mitte der Jünger und sprach: Friede euch! Doch die Jünger erkannten Ihn nicht: Sie erschraken und wurden von Furcht erfüllt (V. 36.37). Ähnlich ist es auch bei uns heute. Der Herr spricht zu uns, Er stellt sich uns vor, aber wir erkennen Ihn nicht. Stattdessen erfüllt Furcht unser Herz.
Als der Herr sich den Jüngern daraufhin vorstellte und zeigte, dass Er wirklich aus den Toten auferstanden war, verwandelte sich ihre Furcht in Freude (V. 41). Allein das Bewusstsein seiner Gegenwart veränderte ihre Herzen. Dann öffnete Er ihnen das Verständnis, um die Schriften zu verstehen, und richtete ihre Blicke erneut auf sich selbst, indem Er ihnen aus den Schriften vorstellte, was mit Ihm geschehen war (V. 45.46). Seine Person und sein Wort genügten auch diesmal, um die Herzen der Jünger wieder aufzurichten und neu zu beleben.
Die letzten Verse des Evangeliums schließlich zeigen, wie die Freude der Jünger zu einer großen Freude wurde (V. 52): Es war der Blick auf den in den Himmel auffahrenden Herrn, der ihre Freude noch größer werden ließ (V. 51). Auch wir dürfen immer wieder auf den im Himmel verherrlichten Herrn blicken und dadurch Kraft und Belebung erfahren (Heb 12,2). Die Jünger kehrten mit großer Freude vom Ölberg nach Jerusalem zurück und waren danach allezeit im Tempel, wo sie Gott lobten und priesen (V. 52.53). Sie konnten nicht (mehr) schweigen von dem, was sie erlebt und gesehen hatten: Ihre Herzen flossen über in Lob, Preis und Anbetung ihrem Gott gegenüber. Ist das bei dir und mir auch so?
Fußnoten:
Die zwei Jünger hofften, dass der Herr Israel wiederherstellen würde, aber sie hatten völlig außer Acht gelassen, dass die Schrift an anderen Stellen sagt, dass Er zuerst leiden und sterben würde (V. 25). Nebenbei bemerkt: Wenn wir Hoffnungen und Erwartungen haben, die sich nicht oder nur teilweise auf Gottes Wort gründen, können wir ebenso enttäuscht werden.