Sünde aufrichtig bekennen
Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.
1. Johannes 1,9
Es lohnt sich, anhand der Bibel über das Thema „Bekennen“ nachzudenken – sowohl im Blick auf unsere Beziehung zu Gott, unserem himmlischen Vater, als auch im Miteinander als Glaubensgeschwister. Wenn Sünde vorgefallen ist, ist das ehrliche Bekennen von entscheidender Bedeutung, um beide Beziehungen zu pflegen.
Was bedeutet „bekennen“?
Das griechische Wort homologéo bedeutet wörtlich übersetzt: „dasselbe sagen oder sprechen.“ Es wird auch dafür verwendet, um etwas zu bestätigen, anzuerkennen oder auch zuzugeben.
Gott gegenüber bekennen
Der Apostel Johannes schreibt in seinem ersten Brief: „Wenn wir unsere Sünden bekennen (homologéo), so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1. Joh 1,9). Beim Bekennen geht es darum, im Blick auf geschehene Sünden den Standpunkt Gottes einzunehmen, d. h. die Sünde so zu be- und verurteilen, wie Er das in seinem Wort deutlich macht (= dasselbe sagen). Ich verschweige nicht, ich beschönige nicht, ich rede die Sünde nicht klein – nein, ich sehe und beurteile meine Sünde so, wie Gott das tut.
Beim Bekennen formulieren wir unser konkretes Versagen, d. h. wir drücken mit ehrlichen Worten vor Gott aus, worin wir gesündigt haben (= dasselbe sagen). Denn das, was wir formulieren oder mit Worten ausdrücken, erfolgt im Allgemeinen sehr viel bewusster, als wenn wir denselben Sachverhalt nur in unseren Gedanken bewegen. Die Bekenntnisse von Esra (Esra 9,5 ff.), Nehemia (Neh 1,5-11) und Daniel (Dan 9,4 ff.) sind beeindruckende Beispiele von der aufrichtigen Haltung, in der das Vorgefallene deutlich vor Gott genannt wird.
Dabei wollen wir nicht übersehen, dass man bei Sünden, die man öfter zu bekennen hat, vielleicht ungewollt, wiederholt dieselben Worte benutzt und damit das tiefe Bewusstsein unserer Verfehlung vor Gott leidet. Da helfen ein sehr bewusstes Innehalten und Nachdenken darüber, wie Gottes Wort die vorgefallene Sünde bewertet und dass der Herr Jesus für jede Sünde unsagbar leiden musste!
Gott schaut in unser Herz. Vor Ihm ist alles „bloß und aufgedeckt“ (Heb 4,13). Gott ist nicht auf unsere formulierten Worte angewiesen, um zu erkennen, wie ernst es uns ist, wenn wir etwas zu bekennen haben. Aber – für uns selbst spielt es eben doch eine Rolle, ob ein gründliches Werk an unserem Gewissen und Herz erfolgt ist, oder ob es eher ein oberflächliches Bekennen ist.
Ein aufrichtig formuliertes Bekenntnis ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass wir als Kinder Gottes die väterliche Vergebung erfahren und die Beziehung zu unserem himmlischen Vater wieder uneingeschränkt genießen können. Und die Erinnerung daran, dass der Herr Jesus auch für diese Sünde im Gericht Gottes leiden und sterben musste, wird einen nachhaltigen Effekt auf unsere weitere Lebensführung haben.
Unsere Gesellschaft ist von zunehmender Oberflächlichkeit gekennzeichnet. Da stehen wir in Gefahr, uns davon beeinflussen zu lassen. Vielleicht hat manche traurige Entwicklung im Leben von Kindern Gottes genau darin ihre Ursache, dass Sünden nicht wirklich vor Gott bekannt wurden. Wie oft haben wir unser Gewissen zum Schweigen gebracht, anstatt Sünde, die zwischen uns und dem Vater stand, zu bekennen. Petrus sensibilisiert uns dahingehend: „Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeden Werk, so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht“ (1. Pet 1,17). David machte die Erfahrung: „Ich tat dir meine Sünde kund und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen; und du hast die Ungerechtigkeit meiner Sünde vergeben“ (Ps 32,5).
Menschen gegenüber bekennen
Was für die Pflege und den Genuss der Beziehung zu unserem Vater im Himmel gilt, hat auch für unser Miteinander als Glaubensgeschwister grundsätzliche Bedeutung.
Jakobus schreibt in seinem Brief: „Bekennt (exomologéo = derselbe Wortstamm) nun einander die Sünden und betet füreinander“ (Jak 5,16). Statt gegeneinander zu reden (Jak 4,11) und gegeneinander zu seufzen (Jak 5,9), sollten die Glaubenden begangene Sünden einander bekennen und vor allem füreinander beten! Es geht nicht um Bekennen vor Menschen, die mit der begangenen Sünde überhaupt nichts zu tun haben. Es geht vielmehr darum, die durch Sünde belastete Beziehung zu der Person, gegen die ich gesündigt habe, mit einem aufrichtig formulierten Bekenntnis in Ordnung zu bringen. Aufrichtiges gegenseitiges Bekennen macht die Herzen weich und bewirkt Wiederherstellung.
Leider verhindern mangelnde Demut und Stolz nur zu oft, dass belastete Beziehungen unter Glaubensgeschwistern schnell wieder bereinigt werden. Manches notwendige Bekenntnis unterbleibt und manchem Bekenntnis fehlt es an Tiefgründigkeit. Dabei wollen wir die unterschiedliche Verantwortung desjenigen, der zu bekennen hat, und die Verantwortung desjenigen, der zu vergeben hat, sauber auseinanderhalten und nicht in eine falsche gegenseitige Abhängigkeit bringen. Wer gesündigt hat, steht eindeutig unter der Verantwortung, alles zu tun, was Gottes Wort sagt – also rückhaltlos und aufrichtig zu bekennen.
Man hat den Eindruck, dass belastete Beziehungen unter Kindern Gottes zunehmen. Könnte eine Ursache dafür nicht darin liegen, dass Dinge, die zwischen Glaubensgeschwistern stehen, nicht gottgemäß behandelt wurden, und als Folge davon die Beziehungen belasten? Wie glücklich könnten wir im Genuss unserer Beziehungen als Kinder der Familie Gottes leben, wenn wir uns in diesem Punkt nicht selbst im Weg ständen.
Wie gut aber, dass wir auch die Erfahrung machen dürfen, wie Beziehungen unter Kindern Gottes, die durch Sünde belastet waren, durch ein aufrichtiges Bekenntnis nicht nur geheilt, sondern danach sogar besser und vertieft wurden.
Zusammenfassung
Bei vorgefallener Sünde ist das aufrichtige Bekenntnis von wesentlicher Bedeutung, damit unsere Beziehung als Kinder Gottes zu unserem himmlischen Vater nicht getrübt wird. Und das gilt genauso für die Beziehungen unter Glaubensgeschwistern. Oberflächlichkeit und mangelnde Aufrichtigkeit sind für beide Beziehungen nur zum Schaden.

Ich tat dir meine Sünde kund und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sprach: „Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen“; und du hast die Ungerechtigkeit meiner Sünde vergeben.
Psalm 32,5
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