Glaubensleben

Demut im christlichen Leben

Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war.

Philipper 2,5

„Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein als in meiner Anwesenheit, sondern jetzt viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt euer eigenes Heil mit Furcht und Zittern; denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, zu seinem Wohlgefallen“ (Phil 2,12.13).

Nachdem der Apostel Christus in seiner Demut vorgestellt hat (Phil 2,1-11), zeigt er nun ein schönes Bild eines christlichen Lebens, das diesem Muster entspricht. Er sagt sozusagen: „Ich habe euch ermahnt, demütig zu sein, und ich habe euch das vollkommene Vorbild dafür gezeigt. Jetzt sollt ihr dem praktisch entsprechen.“ Der Gehorsam gegenüber der Wahrheit, die der Apostel vorgestellt hat, hat zwei Ergebnisse: Erstens führt er zur Errettung von allen Feinden und Fallen, von denen der Gläubige auf seiner Reise durch die Wüste umgeben ist. Zweitens führt er zu einem christlichen Leben, das diesem Muster entspricht.

Paulus spricht hier von der Errettung aus den Angriffen des Feindes. Solange der Apostel noch bei ihnen war, deckte er die verschiedenen Angriffe auf und widerstand ihnen. Jetzt, bei seiner Abwesenheit, sollten sie ihre eigene Errettung bewirken. Dies wird Furcht und Zittern hervorrufen: „Furcht“ angesichts der Macht des Feindes und „Zittern“ angesichts ihrer eigenen Schwachheit. In diesem Kampf würden Selbstvertrauen und fleischliche Energie nur zur Niederlage führen. Doch auch wenn der Teufel gegen sie war, so war Gott für sie und wirkte in ihnen. Paulus war abwesend, der Böse anwesend. Doch Gott war mit ihnen, um in ihnen das Wollen und Wirken nach seinem Wohlgefallen hervorzubringen.

Das Wohlgefallen Gottes

„Tut alles ohne Murren und zweifelnde Überlegungen, damit ihr untadelig und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr scheint wie Lichter in der Welt, darstellend das Wort des Lebens, mir zum Ruhm auf den Tag Christi, dass ich nicht vergeblich gelaufen bin noch auch vergeblich gearbeitet habe“ (Phil 2,14-16).

Was ist also das Wohlgefallen Gottes? Die Verse 14 bis 16 geben uns die Antwort. Gott hat Gefallen daran, dass alles Fleischliche bei seinem Volk beiseitegelassen wird, um Raum für die Entfaltung Christi zu schaffen. So geht der Apostel gleich vom „Wollen“ und „Wirken“ zum „Sein“ über. „Das Ziel“, sagt er sozusagen, „ist, dass wir etwas Bestimmtes sind.“ Und was sollen wir sein? Dem Wesen nach sollen wir so sein, wie Christus es war: tadellose, einfältige und unbescholtene Kinder Gottes, die wie Lichter scheinen und das Wort des Lebens verkörpern. Wir sollen das Fleisch mit seinem Murren und zweifelnden Überlegungen verwerfen und die Kennzeichen Christi hervorbringen, die in einem Zeugnis für Gott bestehen. Dabei sollen wir leuchten wie Lichter in einer dunklen Welt, indem wir das Wort des Lebens in einer toten Welt verkörpern. „Scheinen“ bedeutet nicht, was ein Mensch sagt, sondern was er ist. „Darstellen“ bedeutet nicht predigen, denn es heißt: „das Wort des Lebens darstellend“. Das „Wort Gottes“ ist das, was Gott sagt, nicht das, was wir sagen. Wir stellen dar, was Gott sagt.

Praktische Vorbilder des christlichen Lebens

Im weiteren Verlauf des Kapitels lesen wir von drei ergebenen Männern, in deren Leben wir eine demütige Gesinnung erkennen. Während sie sich selbst vergaßen, dachten sie nur daran, anderen in Liebe zu dienen. So brachten sie das christliche Leben nach dem Vorbild Christi zum Ausdruck.

Paulus selbst

„Aber wenn ich auch als Trankopfer über das Opfer und den Dienst eures Glaubens dargebracht werde, so freue ich mich und freue mich mit euch allen. Ebenso aber freut auch ihr euch und freut euch mit mir!“ (Phil 2,17.18).

Selbstverständlich sagt er hier nicht, dass er ein Vorbild der Demut sei, doch offensichtlich beabsichtigt der Heilige Geist, dass wir ihn so betrachten. Er ist ein treffendes Beispiel für einen Menschen, der in der Gesinnung Christi bereit war, sein Leben in den Dienst anderer zu stellen. In der Gabe der Philipper sieht er den Glauben, der sie dazu brachte, ihm ein Opfer darzubringen – einen Dienst der Liebe für ihn. Was ihn selbst anbelangt, so redet er über seine Überzeugung, dass er leben und bei ihnen zur „Förderung und Freude im Glauben“ bleiben will (Phil 1,25). Wenn Gott es jedoch anders wollte und er berufen war, das größte Opfer der Liebe in seinem Dienst für die Heiligen zu bringen, würde er sich freuen, es zu tun. Auch ihnen wird zugerufen, sich zu freuen und es zu schätzen, dass sein Leben als ein zur Verherrlichung Gottes ausgeschüttetes „Trankopfer“ hingegeben wird.

Timotheus

„Ich hoffe aber im Herrn Jesus, Timotheus bald zu euch zu senden, damit auch ich guten Mutes sei, wenn ich eure Umstände kenne. Denn ich habe keinen Gleichgesinnten, der von Herzen für das Eure besorgt sein wird; denn alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist. Ihr kennt aber seine Bewährung, dass er, wie ein Kind dem Vater, mit mir gedient hat an dem Evangelium. Diesen nun hoffe ich sofort zu senden, wenn ich überschaue, wie es um mich steht. Ich vertraue aber im Herrn darauf, dass auch ich selbst bald kommen werde“ (Phil 2,19-24).

Dann spricht er von Timotheus. Dieser ist ein weiteres Vorbild für einen Menschen, der eine demütige Gesinnung hatte. Indem er sich selbst vergaß, diente er anderen aus Liebe. Weil er die Gesinnung Christi hatte, war er mit dem Apostel gleichgesinnt. Paulus konnte von ihm sagen, dass er „von Herzen für das Eure besorgt sein wird“. Leider hatte die Masse der christlichen Bekenner schon in jenen Tagen eine völlig andere Gesinnung. Der Apostel sagte: „Alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist.“ Im Gegensatz dazu hatte Timotheus durch seine liebevolle Gemeinschaft mit dem Apostel im Dienst des Evangeliums den Beweis einer demütigen Gesinnung erbracht.

Epaphroditus

„Ich habe es aber für nötig erachtet, Epaphroditus, meinen Bruder und Mitarbeiter und Mitstreiter, aber euren Abgesandten und Diener meines Bedarfs, zu euch zu senden, da ihn ja sehnlich nach euch allen verlangte und er sehr beunruhigt war, weil ihr gehört hattet, dass er krank war. Denn er war auch krank, dem Tod nahe; aber Gott hat sich über ihn erbarmt, nicht aber über ihn allein, sondern auch über mich, damit ich nicht Traurigkeit auf Traurigkeit hätte. Ich habe ihn nun desto eiliger gesandt, damit ihr, wenn ihr ihn seht, wieder froh werdet und ich weniger betrübt sei. Nehmt ihn nun auf im Herrn mit aller Freude und haltet solche in Ehren; denn um des Werkes willen ist er dem Tod nahe gekommen, indem er sein Leben wagte, damit er den Mangel in eurem Dienst für mich ausfüllte“ (Phil 2,25-30).

Ein weiteres treffendes Vorbild der demütigen Gesinnung ist Epaphroditus. Er war nicht nur ein Gefährte, sondern auch ein Mitarbeiter, ein Mitstreiter im Kampf und ein Abgesandter, der die Bedürfnisse des Apostels erfüllte. Indem er nicht an sich dachte oder sich schonte, war er bereit, mitzukämpfen und zu dienen. Trotz seines mit Dienst ausgefüllten Lebens vergaß er die Philipper nicht. Selbst in seiner Krankheit, die ihn dem Tod nahebrachte, dachte er nicht an sich, sondern an die Heiligen, die, wie er befürchtete, in Besorgnis und Kummer um ihn geraten würden, weil sie von seiner Krankheit erfahren hatten.

In all diesen leuchtenden Vorbildern sehen wir die demütige Gesinnung Christi, die sich in einem Leben der gütigen Rücksicht auf andere ausdrückt, in der man sich selbst vergisst und bereit ist, sich selbst, das eigene Leben und alles, was man wertschätzt, aufzugeben, um in Liebe zu dienen.


Seid zusammen meine Nachahmer, Brüder, und seht hin auf die, die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt.

Philipper 3,17

Hamilton Smith

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2026, Heft 11, Seite 11

Bibelstellen: Philipper 1,25; 2,1-30; 3,17;

Stichwörter: Demut, Epaphroditus, Gott, Nachahmer, Paulus, Timotheus, Vorbild, Wohlgefallen