Der Brief an die Hebräer

Eine Einleitung

(Fortsetzung von Seite 117)

Zweifellos gab es nicht wenige, die schon mehr gelernt hatten als die Mischung von Neuem und Altem, die bis jetzt in Jerusalem unter den Getauften vorherrschte [vgl. Apg 21,20]. Aber die Zeit war da und auch das geeignetste Werkzeug, das es je gegeben hatte: Jetzt sollte ein Zustand der Dinge beendet werden, der unnormal war für das geistliche Auge und gefährlich für fleischlich Gesonnene – für solche, die im Grunde zwar den Herrn lieben, aber dazu neigen, zu schwanken und natürliche und traditionelle Neigungen zu beschönigen, statt sie dem Wort Gottes gemäß zu richten. Jerusalem sollte sichtbar verschwinden mitsamt Tempel, Ritual und Priestertum. Da war es von Belang, dass die Gläubigen in Palästina, bevor der äußere Schlag des Gerichts fiel, lernten, was sie bisher nur allzu zögernd begriffen hatten. Jesus ist nicht nur der Retter und Herr, sondern auch der große Hohepriester, der durch die Himmel gegangen ist. Er sitzt als Gott und Mensch in einer Person zur Rechten Gottes auf Dessen Thron, wo kein Geschöpf Zugang hat.

Daher beginnt dieser Brief mit Christus in dieser herrlichen Stellung. Und wir wissen, wer es war, den diese großartige Sicht zur Bekehrung vom Judentum ebenso wie von der Sünde führte – wer es ist, dem es mehr als jedem anderen, selbst unter den inspirierten Männern, gegeben war, die große Wahrheit zu ergreifen, zu predigen und dauerhaft niederzuschreiben: ein Christus, nicht mehr gekannt nach dem Fleisch, sondern gestorben, auferstanden und im Himmel erhöht. – Dieser Mann schreibt folglich das Todesurteil auf alles, wessen sich das Fleisch und selbst das religiöse Fleisch rühmte, damit er und wir Leben, Gerechtigkeit, Weisheit, Heiligkeit und Erlösung finden konnten: mit einem Wort alles, was wir nach Gottes Willen in Christus zu Seiner Rechten besitzen sollen. So sind wir himmlisch, wie es der Himmlische ist, und haben die Zusicherung einer sicheren Bewahrung und eines schließlichen Sieges über jeden Feind. Denn wie wir das Bild des Irdischen (Adams) getragen haben, werden wir auch das Bild des Himmlischen (Christi) tragen.

Das war der große Dienst an der Versammlung [Kol 1,25], der dem Apostel Paulus anvertraut war, wodurch er vom Heiligen Geist befähigt wurde, das Wort Gottes zu vollenden – sogar die leere Stelle, die geblieben war für die Offenbarung des Geheimnisses, das den früheren Zeitaltern und Geschlechtern verborgen geblieben war. Im Hebräerbrief ist es ohne Zweifel umschrieben, wie das nötig war mit Rücksicht auf das Anfangsstadium der gläubigen Juden, die kaum ahnten, dass ihr Anhangen am Alten und dessen Vermischung mit dem Neuen ihre Fortschritte mehr verhindert hatte als irgendetwas sonst es gekonnt hätte. Daher ist das Ziel des Briefes, das Wesen, die Kraft und die Vollkommenheit all der Formen von früher in der Wahrheit von der Person Christi und Seinem Dienst, Seinem Werk und Seiner Stellung aufzuzeigen. So wurden die Juden, die glaubten, zum Himmel erhoben im Glauben, der Liebe, der Anbetung, dem Dienst und der Hoffnung. So wurde es für sie leicht und sogar ein frohes Erlebnis, den Alten Bund mitsamt den irdischen Opfern aufhören zu sehen, da das Priestertum Aarons einem besseren Platz machte. Diese Opfer waren nutzlos gewesen, ja von größter Gefahr, wenn sie in Konkurrenz traten zu jenem vollbrachten Werk, durch das die Gläubigen geheiligt worden und auf immerdar vollkommen gemacht sind, so wahr Christus sich auf immerdar gesetzt hat zur Rechten Gottes.

(Wird fortgesetzt) W. K.

Einordnung: Ermunterung + Ermahnung, Jahrgang 2007, Heft 5, Seite 139

Bibelstellen: Hebr