Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus

(Matthäus 8,14.15; Markus 1,29-31; Lukas 4,38.39)

Der Herr Jesus war an einem Sabbat in einer Synagoge in Kapernaum. Seine Worte und Taten erregten große Aufmerksamkeit. Als der Herr die Synagoge verließ, ging Er umgehend mit Simon Petrus und Andreas in ihr Haus, begleitet von Johannes und Jakobus. Diese vier Jünger hatten kurze Zeit vorher ihren Fischerberuf aufgegeben, um Jesus nachzufolgen (Mk 1,16-20). Nun durften die Jünger – vielleicht zum ersten Mal – den Meister im Rahmen häuslicher Vertrautheit erleben. Sie wurden Zeugen, wie Er die Schwiegermutter von Petrus durch ein Wunder von ihrem Fieber befreite und wie sie danach sogleich zu dienen begann.

Jesus kommt in das Haus von Petrus

Petrus und Andreas kamen ursprünglich aus Bethsaida (vgl. Joh 1,44). Jetzt lebten sie zusammen in einem Haus in Kapernaum. Dieses Haus wird dem jedes anderen Fischers geähnelt haben. Und doch gab es einen bedeutenden Unterschied: Der Sohn Gottes betrat das Haus von Petrus, offenbarte dort Seine Herrlichkeit und machte es zu einem Ort des Segens. Es dauerte nicht lange, bis sich das ganze Dorf an der Tür dieses Hauses versammelt hatte.

Die kranke Schwiegermutter von Petrus

Die Schwiegermutter von Petrus war krank. Ein „starkes“ Fieber (wie der Arzt Lukas ausdrücklich vermerkt) hatte sie niedergestreckt und zur Tatenlosigkeit verurteilt. In dieser heißen Gegend wurden die Menschen unter den damaligen Verhältnissen häufig von Fieber heimgesucht, und es machte auch vor diesem Haus nicht Halt.

Krankheit, Leid und Kummer dringen auch in die Häuser der Gläubigen ein. Die Schrift lehrt das deutlich, was auch durch die Erfahrung tausendfach bestätigt wird. Doch in der Not rechnen wir, im Gegensatz zu den Menschen dieser Welt, mit der gnädigen Hilfe unseres großen Herrn, der keinen Kranken übersieht und alle Schmerzen Seines Volkes kennt.

Fieber wirkt von innen heraus und belastet den ganzen Organismus. Der Kranke fühlt sich kraftlos, oftmals innerlich unruhig, und muss das Bett hüten. Wenn man eine allgemeine Anwendung machen will, kann man im Fieber ein Bild der Sünde erblicken. Sünde macht den Menschen unfähig, etwas zu tun, was Gott wohlgefällt. Der Sünder ist kraftlos und kann sich auch aus diesem Zustand nicht befreien (Röm 5,6).

Auch im Leben eines Gläubigen kann Sünde verheerende Folgen haben. Sie steht der Wirksamkeit des Geistes Gottes entgegen, und jedes Bemühen im Weinberg des Herrn verliert seinen Wert. Was nun? Wie kann diese geistliche Lähmung überwunden werden? Nur durch eine „Begegnung“ mit der Macht und Gnade des Herrn. Durch Ihn kann es eine rasche Wendung zum Guten geben. Er befreit, und Er schenkt neue Kraft.

Sie sagen es Jesus

Petrus war „Menschenfischer“ geworden und gewiss mit Feuereifer bei der Sache. Das, was er in der Synagoge an diesem Tag gehört und gesehen hatte, muss ihn fasziniert und beschäftigt haben. Dennoch vergaß er nicht die Krankheit seiner Schwiegermutter und sprach – zusammen mit den anderen – den Herrn sogleich auf diese Not an. Sie schilderten Ihm den Fall und baten um Hilfe. Sie waren davon überzeugt, dass der Herr zu heilen vermochte. Vertrauensvoll und mit schlichten Worten brachten sie ihre Bitte gemeinsam vor den Herrn.

Bei aller Aktivität im Dienst für den Herrn wollen wir unsere Kranken nicht vergessen und für sie beten – persönlich und gemeinsam. Dabei wollen wir daran denken, dass es nicht auf schöne Formulierungen und viele Worte ankommt. Wichtig ist vielmehr, dass wir im Glauben beten und dass unsere Anliegen ernst und aufrichtig sind. Jemand sagte einmal den weisen Satz: „Gebete werden nicht nach ihrer Länge gemessen, sondern nach dem Gewicht.“

Die Heilung

Die Jünger hatten nicht gezögert, ihre Bitte vorzubringen, und der Herr zögerte nicht, zu helfen. Unmittelbar betrat Er das Krankenzimmer. Durch die verschiedenen Berichte in den Evangelien bekommen wir ein recht genaues Bild davon, wie der Herr die Schwiegermutter von Petrus heilte:

– Der Herr stand über der Kranken (Lk 4,39). – Das berichtet nur der Arzt Lukas. Ein Arzt beugt sich gewöhnlich zu den Kranken herab, um helfen zu können, und der Herr hat die Frau sicher auch angeblickt. Aber Er handelte mit Autorität und „stand über der Situation“.

– Er gebot dem Fieber (Lk 4,39). – Jesus heilte durch Sein Machtwort. Auch das stellt nur Lukas vor. Der Herr musste keine Untersuchungen vornehmen oder Therapien verordnen. Sein Wort genügte.

– Er rührte sie an, indem Er sie bei der Hand ergriff und nach oben zog (Mt 8,15; Mk 1,31). – Matthäus und Markus erwähnen nicht, dass Jesus dem Fieber geboten hat, so dass dort die Heilung mit Seiner ausgestreckten Hand der Barmherzigkeit verbunden wird. Offenbar bildeten Seine Worte und Seine Handlung im Werk der Heilung eine Einheit. Letztlich ist natürlich jede Heilung auf Seinen göttlichen Willen zurückzuführen. Er war nicht darauf angewiesen, etwas Bestimmtes zu sagen oder zu tun – das, was Er will, geschieht.

– Das Fieber verließ sie sogleich (Mt 8,14; Mk 1,31; Lk 4,39). – Die hohe Temperatur sank nicht langsam, sondern das Fieber verließ sie sofort. Von einem Augenblick zum anderen war die Krankheit besiegt. Wie vollkommen ist das Werk des Herrn! Als Er einmal einen Sturm gestillt hatte, beruhigte sich der See auch nicht nach und nach, sondern es trat sofort eine große Stille ein (Mt 8,26).

Der Dienst der Schwiegermutter

Wer starkes Fieber gehabt hat, erholt sich davon meist nur langsam. Doch anders war es in diesem Fall: Mit dem Fieber verschwand auch jede Schwäche des Körpers.

Der Herr hatte nicht gezögert, die Schwiegermutter von Petrus zu heilen. Sie wiederum zögerte nicht, ihre Kräfte zu gebrauchen, um dem Herrn und den Jüngern zu dienen. Ihr Dienst begann „sogleich“ (Lk 4,39). Wenn auch dieser Dienst nur darin bestehen konnte, dass sie dem Herrn und Seinen Begleitern etwas vorsetzte – wozu sie ja vorher außerstande gewesen war -, so stellt sich doch auch uns eine Frage:

Wie gebrauchen wir unsere Kräfte? Wenn der Herr uns Gesundheit und Lebenskraft schenkt oder uns wieder neu gibt – was machen wir mit unseren Möglichkeiten? Sind unsere besten Kräfte wirklich Ihm geweiht? Und wenn wir erfahren durften, wie Er uns vom niederdrückenden Einfluss der Sünde befreit hat, kommt uns dann nicht auch der Gedanke, Ihm und den Seinen mit Hingabe zu dienen?

Zusammenfassung

Die Heilige Schrift widmet dem ganzen Ereignis nur wenige Worte. Doch durch die Kürze des göttlichen Berichts wirkt die Macht des Herrn besonders eindrücklich. Er kam und Er heilte. Trost und Gebete für die kranke Frau waren nötig. Aber helfen konnte nur Er. Gerade im Matthäus-Evangelium wird Er als der große Handelnde und Mittelpunkt des Geschehens vorgestellt.

Die Schwiegermutter von Petrus, die nur an diesen Stellen Erwähnung findet, verschwindet als Dienende im Hintergrund. Es war für sie selbstverständlich, ihrem Wohltäter und Seinen Jüngern im Haus zu dienen. Auch wir sollten freudig und hingebungsvoll Dem dienen, dem wir alles zu verdanken haben!

G. Setzer

Einordnung: Ermunterung + Ermahnung, Jahrgang 2010, Heft 6, Seite 167

Bibelstellen: Mt 8, 14.15; Mk 1, 29-31; Lk 4, 38.39