Ermutigung

Alles Gott überlassen!

Das erste Lied, von dem wir in der Schrift lesen, finden wir in 2. Mose 15. Es ist ein Lied „für den HERRN”. Der HERR ist das Thema des Liedes, Er wird (ungefähr) 45-mal in 19 Versen erwähnt. Was für ein Gegensatz zu Kapitel 14, wo wir kein Lied finden, sondern angstvolles Schreien. Das ist nicht verwunderlich, denn statt mit dem HERRN und seiner Größe und Macht beschäftigt zu sein, redet Israel über sich selbst (achtmal in den Versen 11 und 12) und erwähnt den HERRN nicht ein einziges Mal. Wenn aber der HERR einschreitet und der Mensch verschwindet, werden die alten Seufzer in neue Lieder verwandelt. „Steht und seht die Rettung des HERRN” (2. Mo 14,13).

Weißt du, warum uns der HERR manchmal in Schwierigkeiten führt? Weil wir sonst Ihn nicht kennenlernen würden und das, was Er tun kann. Menschlich gesprochen gab es überhaupt keine Notwendigkeit für die Not des Volkes Israel, in der wir sie in 2. Mose 14 finden. Mose hatte sie aus dem Land Ägypten geleitet und sie bis Etam gebracht, am äußersten Nordende des Roten Meeres auf der Ostseite. Doch der Herr gebot ihnen, umzukehren zur Westseite und sich gegen Süden zu wenden, und Er ließ sie zwischen den Bergen lagern mit dem Roten Meer vor ihnen. Als Pharao davon hörte, hielt er es für eine gute Gelegenheit, das Volk wieder unter seine Gewalt zu bringen; und so jagten er und sein Heer ihnen nach. Da standen die Kinder Israel nun: das Rote Meer vor ihnen, die Ägypter hinter ihnen. Es gab keine Möglichkeit zur Flucht. Was konnten sie tun? Nichts, aber der HERR konnte und tat es. Er bahnte ihnen – die Wasserwand auf beiden Seiten – einen Weg durchs Rote Meer. Aber alle Ägypter, ihre Feinde, gingen unter und kamen um.

Warst du jemals in einer solchen Lage? Deine berghohen Sünden auf beiden Seiten von dir; die drohenden Wogen des Todes vor dir; und alle Feinde deiner Seele, die dich ins Verderben bringen wollen, hinter dir? Und du wusstest nicht, was du tun konntest. Hast du da die Stimme Gottes gehört, die zu dir sagt: „Stehe und sieh die Rettung des HERRN?“

Schau nach Golgatha, und du wirst sehen, wo und wie der Herr Jesus einen Weg durch Tod und Gericht für dich bahnte; und wie zur gleichen Zeit alle deine Feinde – Sünde, Satan, Tod und Hölle – besiegt wurden.

Bist du nicht auch manchmal ratlos, lieber Gläubiger, und weißt nicht, was du tun oder wohin du dich wenden sollst? Du bist verwirrt und siehst keinen Ausweg aus deinen Schwierigkeiten. Dann bleib stehen und sieh die Rettung des HERRN. Er vermag bis zum Ende die zu retten, die durch Ihn Gott nahen.

Warten auf den HERRN

Aber nicht nur stillstehen, sondern auch stillsitzen und in seiner Liebe ruhen! Segen und Hilfe für jeden Tag kommen schließlich nicht durch fieberhafte, rastlose Energie, sondern im Warten auf den HERRN. „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist“, sagt der HERR (Sach 4,6). In Jesaja 30 sehen wir, wie Israel daran denkt, Ägypten anzurufen, um ihnen aus der Not zu helfen, in die ihre Sünde und Unglaube sie gebracht hatten. Vielleicht schämten sie sich, Gott um Hilfe anzurufen, weil sie wussten, wie wenig sie Ihm gefallen hatten oder versucht hatten, in seinen Wegen zu wandeln. Du und ich, lieber Bruder, liebe Schwester, fühlen uns oft so. Aber denk daran, dass unser Gott nicht wie ein Mensch ist. Komm nur zu Ihm und Er wird dich erhören und dir in jeder Notlage helfen. Nimm dir den wertvollen Vers aus Jesaja 30,15 zu Herzen: „Durch Umkehr und durch Ruhe würdet ihr gerettet werden; im Stillsein und im Vertrauen würde eure Stärke sein.“

Leg dem Herrn alles vor, was du zu sagen hast; all deine Sünden und dein Versagen, deine Kälte und Gleichgültigkeit, deinen Kummer und deine Trauer, deine Ratlosigkeit und deine Sehnsucht. Deine Stärke liegt darin, still zu sitzen, und Ihn für dich tätig werden zu lassen. Gib Gott eine Möglichkeit, seine Liebe und Macht in deinem Leben zu beweisen. Ich weiß, es ist schwierig, in einer unruhigen Welt diese Lektion zu lernen – die Notwendigkeit der Stille. Aber sie birgt erstaunlichen Trost und ist mehr wert als Gold.

„Lasst ab [oder: Seid still] und erkennt, dass ich Gott bin!“ (Ps 46,11). Hier ist echte Zufriedenheit, wie sie nur der Gläubige in einer Welt voller Unzufriedenheit erfahren kann. Dieser wunderbare Vers zeigt uns, dass, wie auch immer die Umstände sein mögen, Gott ausreicht. Was auch immer die Schwierigkeiten sind, in die wir geraten können, Er wird die Seinen erlösen und sie in die Herrlichkeit bringen, wo Er herrschen wird und wir mit Ihm. Mit dieser glorreichen Aussicht hören wir Ihn sagen: „Seid still und erkennt, dass ich Gott bin.“ Mach dir keine Sorgen über böse Diktatoren der Nationen. Sie sind nur Menschen. Sei still und erkenne, dass Er Gott ist. Schau nicht um dich herum nach Trost oder Frieden. Lass dich nicht durch den gestörten Zustand dieser armen Welt niederdrücken. Schau nach oben.

Du kannst still stehen und still sitzen, und doch nicht still sein. Äußerlich mag ein gewisses Maß an scheinbarem Frieden herrschen und doch das Herz voller Unruhe und Sorgen sein. Möge Gott in uns mehr und mehr dieses vollkommene Vertrauen in sich selbst und sein Leben schenken, so dass wir wirklich still werden können. Denn Er ist Gott. Und wie wunderbar, sagen zu können, dass er mein Gott ist.

Denn so spricht der Herr, HERR, der Heilige Israels: Durch Umkehr und durch Ruhe würdet ihr gerettet werden; im Stillsein und im Vertrauen würde eure Stärke sein. Aber ihr habt nicht gewollt.

Jesaja 30,15

August van Ryn

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2021, Heft 8, Seite 3

Bibelstellen: 2. Mose 15; 14,13; Jesaja 30,15; Psalm 46,11;

Stichwörter: Herr, Rettung, ruhen, Vertrauen, warten