Dienst / Nachfolge

Der persönliche Dienst am Nächsten

Durch die Liebe dient einander.

Galater 5,13

Neben der einzigartigen Fürsorge des Herrn Jesus, dem „großen Hirten der Schafe“ (Heb 13,20), und der Aufgabe der Hirten im Volk Gottes im örtlichen und überörtlichen Bereich (Eph 4,11; Apg 20,28; 1. Pet 5,1-4), zeigt Gottes Wort noch einen weiteren Aspekt des seelsorgerlichen Dienstes: die persönliche Sorge der einzelnen Glieder des Leibes füreinander. Das betrifft Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, zwischen Älteren und Jüngeren, wie auch ganz allgemein unter Glaubensgeschwistern.

Jeder Einzelne ist gefragt

Es fällt auf, dass das Wort „einander“ – auch in Kombination mit verschiedenen Vorsilben – weit über 100-mal im Neuen Testament vorkommt. Allein diese Häufigkeit zeigt den enormen Stellenwert, den Gottes Wort dem Miteinander der Glaubensgeschwister beimisst. „Einander“ meint wechselseitig, also nicht nur „Bruder A“ gegenüber „Bruder B“, sondern eben auch umgekehrt, „Bruder B“ gegenüber „Bruder A“. Einander zu lieben bedeutet, gegenseitig Liebe zu erweisen. Niemand ist ausgenommen, keiner kann sich von dieser Verpflichtung ausnehmen – es geht uns alle an, jeder Einzelne ist gefordert!

Das Gebot: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 22,39), galt für jeden Israeliten. Und 5. Mose 22,1-4 macht deutlich, dass man sich der gegenseitigen Fürsorge innerhalb des Volkes Gottes nicht entziehen konnte: Wenn ein Israelit erkannte, dass seinem Bruder materieller Schaden drohte, dann sollte er alles unternehmen, um das zu verhindern. Dieser Haltung der wechselseitigen Fürsorge entsprechen zahlreiche Aufforderungen im Neuen Testament.

Einander lieben

Der Herr Jesus hat die wiederholte Aufforderung, einander zu lieben, ausdrücklich in Form eines Gebots hinterlassen: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet“ (Joh 13,34). Das neue, göttliche Leben, das wir bei unserer Bekehrung empfangen haben, befähigt uns, dieser Aufforderung unseres Herrn nachzukommen. Und der Heilige Geist, der in uns wohnt, gibt uns die Kraft, unseren Brüdern und Schwestern im Glauben Liebe zu erweisen.

Füreinander Sorge tragen

„Aber Gott hat den Leib zusammengefügt, … damit keine Spaltung in dem Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander hätten“ (1. Kor 12,24.25). Das liebevolle, wechselseitige Interesse am Wohlergehen des anderen sollte kennzeichnend für das Miteinander der Glaubenden sein. Motiviert von göttlicher Liebe „muss“ uns daran liegen, dass Glieder des Leibes Christi, also meine Brüder und Schwestern im Glauben, ihre von Gott zugedachte Aufgabe zum Nutzen des Leibes voll entfalten können.

Diese wechselseitige Fürsorge beginnt mit dem Gebet füreinander und mündet in Hilfeleistung und Unterstützung, so wie es im Einzelfall erforderlich ist. Die Haltung Kains dagegen ist das krasse Gegenteil: „Bin ich meines Bruders Hüter“ (1. Mo 4,9)? Statt Fürsorge und Interesse findet sich bei Kain eine Haltung der Gleichgültigkeit und Eifersucht bis hin zu tödlichem Hass.

Einander dienen in Liebe

Paulus fordert in Galater 5,13 dazu auf: „… nur gebraucht nicht die Freiheit zu einem Anlass für das Fleisch, sondern durch die Liebe dient einander.“ Wieder macht ein Gegensatz den Kerngedanken deutlich: Anstatt die dem Christen geschenkte Freiheit im Egoismus auszuleben, geht es darum, einander, also wechselseitig, zur Verfügung zu stehen. Die göttliche Liebe sucht, wie der andere im Glaubensleben gefördert werden kann. Die Liebe motiviert – der in uns wohnende Heilige Geist gibt die Kraft dazu.

Aufeinander achthaben

Andere Glaubensgeschwister im Blickfeld zu behalten, ist eine Aufforderung, die der Schreiber des Hebräerbriefs uns ans Herz legt. Das gilt ebenfalls wechselseitig. Und der Zusammenhang zeigt auch, worum es konkret geht: „zur Anreizung zur Liebe und zu guten Werken“ (Heb 10,24). Die Entfaltung göttlicher Liebe und das Praktizieren „guter Werke“ zur „Ehre des Hausherrn“ (2. Tim 2,20.21) und zum Nutzen der Gläubigen steht im Mittelpunkt dieser Anweisung im Wort Gottes.

Weitere Aspekte

Im Neuen Testament findet man noch weitere Aufforderungen, diese Wechselbeziehung unter Glaubensgeschwistern im Sinn des Herrn Jesus auszuleben:

• einander die Füße waschen (Joh 13,14)

• einander trösten durch den Glauben, der in dem anderen ist (Röm 1,12)

• einander erbauen (Röm 14,19)

• einander aufnehmen (Röm 15,7)

• einander ermahnen (Röm 15,14)

• einander dienen (1. Pet 4,10)

• einander helfen beim Tragen von Lasten (Gal 6,2)

• einander ertragen (Eph 4,2; Kol 3,13)

• einander vergeben (Eph 4,32)

• einander untergeordnet zu sein (Eph 5,21)

• einander höher achten als sich selbst (Phil 2,3)

• einander ermuntern (1. Thes 4,18; 5,11; Heb 10,25)

• einander Gutes erweisen (1. Thes 5,15)

• einander bekennen (Jak 5,16)

Die vorstehende Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie zeigt aber sehr deutlich, wie die Beziehungen unter Kindern Gottes ausgelebt und gepflegt werden sollen. Was für ein weites Aufgabenfeld im persönlichen Dienst zum Nutzen unserer Glaubensgeschwister!

Eine abschließende Bemerkung: Wir dürfen unser eigenes Engagement in diesem Dienst nicht abhängig machen von dem Verhalten unseres Bruders oder unserer Schwester. Der Herr Jesus ist unser beeindruckendes Vorbild darin, dem Nächsten unentwegt zu dienen – auch dann, wenn die Reaktion nicht so ausfällt, wie wir uns das vielleicht wünschen.

Zusammenfassung

• Wie dankbar können wir sein, dass sich der Herr Jesus vom Himmel her um die Seinen kümmert und sie mit allem versorgt, was nötig ist auf dem Weg zur Herrlichkeit. Bei Ihm finden wir nur Vollkommenheit.

• Wie dankbar dürfen wir auch dafür sein, dass der verherrlichte Herr Brüder befähigt hat, überörtlich, wie auch an den einzelnen Orten, einen Hirtendienst in seinem Sinn auszuüben.

• Das entbindet den einzelnen Gläubigen aber nicht von der biblischen Verpflichtung, für das Wohl der Brüder und Schwestern besorgt zu sein. Im Unterschied zu den vom Herrn eingesetzten Dienern ist das allerdings eine Verpflichtung, die wechselseitig für alle Glieder des Leibes gilt.

• Der in uns wohnende Heilige Geist will uns Kraft und Weisheit geben, diesen persönlichen Dienst zum Nutzen anderer weiter auszuüben – selbst dann, wenn es Enttäuschungen im Miteinander gibt.

Wir wollen uns von dem Beispiel des Apostel Paulus ermutigen lassen:

„Ich will aber sehr gern alles verwenden und völlig verwendet werden für eure Seelen, wenn ich auch, je überreichlicher ich euch liebe, umso weniger geliebt werde“ (2. Kor 12,15).

Friedhelm Runkel

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2026, Heft 8, Seite 19

Bibelstellen: Hebräer 13,20; 1. Petrus 5,1-4; Johannes 13,34; Galater 5,13; 2. Timotheus 2,20.21; 2. Korinther 12,15; u. a.;

Stichwörter: achthaben, aufnehmen, Dienen, ermuntern, Hirte, Liebe, persönlich, trösten, vergeben