Bibelauslegung

Erben Gottes

Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott.

Galater 4,7

Als ehemalige Sünder waren wir Feinde Gottes und hatten keinerlei Beziehung zu Ihm – Er ist Licht und wir waren in der Finsternis, Er ist die Quelle des Lebens und wir waren tot in unseren Vergehungen und Sünden (Eph 2,1). An diesem Zustand konnte der Mensch als „Sklave der Sünde“ (Röm 6,17.20) aus eigener Kraft nichts verändern. Doch durch das Werk Christi sind wir als Kinder Gottes in die innigste Beziehung zu Gott gebracht worden, die je ein Geschöpf mit dem Schöpfer haben kann: Gott liebt uns nun als Vater mit derselben Liebe, mit der Er seinen eigenen Sohn liebt (Joh 17,26). Das ist eine unfassbare Tatsache!

Außerdem sind wir als ehemalige Sklaven der Sünde, die keinerlei Besitzansprüche hatten, zu Söhnen und damit zu Erben Gottes geworden (Gal 4,7) – wir werden mit dem Sohn alles geschenkt bekommen (Röm 8,32). Wie groß und allumfassend ist das Werk Christi!

Unsere Erbschaft durch Gott und mit Christus wird in der Schrift in vielfältiger Weise beleuchtet. Warum stellt uns Gott dieses Thema so ausführlich vor? Möchte Er uns nicht mit dem erhabenen Vorrecht als Erben Gottes so detailliert beschäftigen, um unsere Liebe und Dankbarkeit Ihm gegenüber anzufachen? Und wie gut ist es, nicht mit unseren Unzulänglichkeiten, sondern mit den unumschränkten Vorrechten beschäftigt zu sein, die wir in Ihm haben – das allein verherrlicht Ihn.

Daher wollen wir anhand einiger Stellen aus Gottes Wort etwas genauer nachvollziehen, warum wir überhaupt Erben Gottes geworden sind und was wir erben werden. Es sind zwei unterschiedliche Aspekte unserer Erbschaft, die jeweils mit wunderbaren Segnungen verbunden sind.

Warum werden wir erben?

• Als Kinder Gottes sind wir unmittelbare rechtmäßige Erben: „Wenn aber Kinder, so auch Erben – Erben Gottes und Miterben Christi“ (Röm 8,17). Kindern fällt das Erbe automatisch zu, ohne ihr eigenes Zutun. Und auch wir haben als Kinder Gottes einzig und allein durch die Neugeburt in Christus ein Anrecht daran – alles hat Gott bewirkt.

• Als Söhne Gottes sind wir mündige Erben: „Solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich nicht von einem Knecht. Wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott“ (Gal 4,1.7). Wir sind nicht nur berechtigte, sondern auch verständige Erben geworden, die als Söhne Einblick in die Gedanken des Vaters haben.

• Als Diener Gottes erhalten wir das Erbe als Vergeltung: „Da ihr wisst, dass ihr vom Herrn die Vergeltung des Erbes empfangen werdet; ihr dient dem Herrn Christus“ (Kol 3,24). Dieser Aspekt ist sehr bedeutsam. In Galater 4 haben wir gesehen, dass ein Knecht im Gegensatz zum Sohn nicht erben kann. Doch hier in Kolosser 3 wird gezeigt, dass wir auch als Diener Christi[1] ein Erbe empfangen, und zwar als Vergeltung, also als Entschädigung oder Kompensation für unseren Dienst für Christus. Hierin zeigt sich eine wunderbare Übereinstimmung mit Christus, dem vollkommenen Knecht Gottes, denn ebenso wird auch Christus als Knecht Gottes mit einem Erbe belohnt werden: „Durch seine Erkenntnis wird mein gerechter Knecht (= Christus) die Vielen zur Gerechtigkeit weisen. Darum werde ich ihm Anteil geben an den Vielen, und mit Gewaltigen wird er die Beute (= die Belohnung) teilen: dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod“ (Jes 53,11.12). Ist es nicht wunderbar, dass wir hierin als Knechte mit Christus Teilhaber sind? Alles gründet sich allein auf sein Sühnungswerk auf Golgatha.

Weitere Besonderheiten

• Als Empfänger des Heiligen Geistes haben wir ein gesichertes Erbe: „Ihr seid, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung, der das Unterpfand unseres Erbes ist“ (Eph 1,13). Gott hat uns den Heiligen Geist gegeben und uns damit zugesichert, dass wir auch das Erbe einmal in Empfang nehmen werden – ein Erbe, das so unverlierbar ist wie die Gabe des Geistes, der in Ewigkeit bei uns sein wird (Joh 14,17).

• Das Erbe ist nicht auf Israel beschränkt, denn wir aus den Nationen sind mit Israel zu Miterben geworden: „Dass die aus den Nationen Miterben seien und Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium“ (Eph 3,6). In Christus gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Heiden im Blick auf die Errettung (Röm 10,12) und unter Gläubigen (Eph 2,14), so dass wir gewissermaßen „Nutznießer“ durch die Untreue Israels geworden und durch das Evangelium auch in den Segensbereich Gottes gekommen sind – wenn auch zu einem ganz anderen Erbe.Wie vielfältig sind doch die Gründe, weshalb wir Erben Gottes geworden sind – wir, die wir zuvor überhaupt keine Anrechte vorzuweisen hatten. Hierin wird der große Reichtum der Gnade Gottes deutlich. Mögen wir dieses Vorrecht vermehrt schätzen und achten, indem wir in Dankbarkeit und Liebe zu unserem Herrn dem Erbe entsprechend, das wir bald in vollem Umfang genießen werden, uns jetzt schon treu verhalten.



Fußnoten:

  1. Im eigentlichen Sinn geht es hier um Sklaven in ihrem alltäglichen Dienst und nicht direkt um die Ausübung geistlicher Gaben im Dienst für Christus.

Matthias Wölfinger

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2026, Heft 6, Seite 21

Bibelstellen: Epheser 1,13; 2,1.14; Römer 6,17.20; 8,17.32; 10,12; Galater 4,1.7; Johannes 14,17; 17,26; Jesaja 53,11.12; u. a.;

Stichwörter: Diener, Empfänger, Erbe, Gott, Israel, Kinder, Miterben, mündig, rechtmäßig, Söhne, Vater, Vergeltung