Dienst / Nachfolge

Wenn etwas zurückgelassen wird

In der Bibel finden wir unterschiedliche Situationen, in denen Personen oder Dinge aufgegeben oder zurückgelassen wurden. Sie enthalten wertvolle Lektionen. Angewendet auf unser Glaubensleben stellen sie uns zum einen Dinge vor, die es um Christus willen aufzugeben gilt, aber zum anderen auch Dinge, die es auf jeden Fall festzuhalten gilt. Nachfolgend einige Beispiele dazu:

Ein ägyptischer Jüngling

„Und David sprach zu ihm: Wem gehörst du, und woher bist du? Und er sprach: Ich bin ein ägyptischer Jüngling, der Knecht eines amalekitischen Mannes; und mein Herr hat mich verlassen, denn ich wurde heute vor drei Tagen krank.“ (1. Sam 30,13)

Als David und seine Männer die Amalekiter verfolgten, die ihre Frauen und Kinder gefangen weggeführt hatten, fanden sie einen ägyptischen Jüngling auf dem Feld liegen. Er war der Knecht eines amalekitischen Mannes, der ihn zurückgelassen hatte, nachdem er krank geworden war. Ohne das Eingreifen von David und seinen Männern hätte es für ihn keine Hoffnung gegeben.

Erkennen wir in dem ägyptischen Jüngling nicht das Bild des natürlichen Menschen, der unter der Herrschaft Satans steht und ihm dient? Satan ist ein grausamer Herr, der seine Leute ausbeutet und schließlich aufgibt, wenn er sie nicht mehr benötigt. Ohne eine Begegnung mit dem wahren David ist der natürliche Mensch dem ewigen Tod geweiht.

Netze

„Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen; und sogleich verließen sie die Netze und folgten ihm nach.“ (Mk 1,17.18)

Als der Herr Jesus am See von Galiläa entlangging, sah Er die Fischer Simon und Andreas, wie sie in dem See ihre Netze auswarfen. Beide verließen augenblicklich ihre Netze, als der Herr sie in seine Nachfolge rief. Von nun an sollten sie keine Fische mehr fangen, sondern Menschen.

Sehen wir in den Netzen nicht ein Bild der (beruflichen) Tätigkeiten, die wir auf der Erde ausüben? Sind wir bereit, diese Tätigkeiten zurückzustellen oder vielleicht sogar ganz aufzugeben, wenn der Herr uns in seinen Dienst ruft?[1]

Ein Vater und Tagelöhner

„Und als er ein wenig weitergegangen war, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, auch sie in dem Schiff, wie sie die Netze ausbesserten; und sogleich rief er sie. Und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern in dem Schiff und gingen weg, ihm nach.“ (Mk 1,19.20)

Als der Herr Jesus ein wenig weitergegangen war, sah Er Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, wie sie die Netze ausbesserten. Wie Simon und Andreas gehorchten auch sie auf der Stelle und folgten Ihm nach. Dabei ließen sie ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern zurück.

Manchmal müssen auch wir uns von Personen trennen und Beziehungen aufgeben, die uns in der Nachfolge des Herrn hinderlich sind. Außerdem kann es sein, dass ein Diener um des Evangeliums willen für eine gewisse Zeit von seiner Familie und seinem gewohnten Umfeld getrennt ist.

Ein Oberkleid

„Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn! Und sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes; steh auf, er ruft dich! Er aber warf sein Oberkleid ab, sprang auf und kam zu Jesus.“ (Mk 10,49.50)

Bartimäus hatte sich trotz der Zurechtweisung der Leute nicht davon abhalten lassen, laut zu rufen, um die Aufmerksamkeit des Herrn auf sich zu ziehen. Und er wurde nicht enttäuscht, denn der Herr ließ ihn zu sich rufen. Das ließ sich Bartimäus nicht zweimal sagen: Augenblicklich warf er sein Oberkleid ab, sprang auf und kam zu Jesus. Auf dem Weg zu Jesus durfte ihn nichts hindern – auch nicht sein Oberkleid.

Wenn der Herr uns ruft, dann sollten auch wir nicht zögern und augenblicklich zu Ihm kommen. Trennen wir uns dabei auch von allem, was uns in der Nachfolge des Herrn hindert? Müssen wir dazu vielleicht auch manchmal unser „Oberkleid“ abwerfen – unser Ansehen bei den Menschen aufgeben (Mt 10,38)?

Ein Wasserkrug

„Die Frau nun ließ ihren Wasserkrug stehen und ging weg in die Stadt und sagt zu den Leuten: Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe! Dieser ist doch nicht etwa der Christus?“ (Joh 4,28.29)

Die samaritische Frau kam mit einem Wasserkrug zur Quelle Jakobs, um Wasser zu schöpfen. Dort begegnete sie Jesus, dem Heiland der Welt, der zu ihrem Herzen und Gewissen sprach und sich ihr im weiteren Verlauf des Gesprächs als der Christus vorstellte (V. 26). Als die Frau schließlich in die Stadt zurückging, ließ sie ihren Wasserkrug stehen. Sie hatte von dem „lebendigen Wasser“ getrunken – wofür brauchte sie noch einen Wasserkrug?

Haben wir auch schon von dem „lebendigen Wasser“ getrunken oder sind wir noch mit dem „Wasserkrug“ unterwegs, um den Durst unserer Seele mit „Brunnenwasser“ zu löschen? Nur wer im Glauben zu dem Herrn Jesus kommt und von dem „lebendigen Wasser“ trinkt, bekommt ewiges Leben und wird nie mehr dürsten.

Ein Mantel und Bücher

„Den Mantel, den ich in Troas bei Karpus zurückließ, bring mit, wenn du kommst, und die Bücher, besonders die Pergamente.“ (2. Tim 4,13)

Paulus saß im Gefängnis in Rom und der Winter stand bevor (V. 21). Wie dringend benötigte er den Mantel, den er in Troas zurückgelassen hatte! Und auch die Bücher, besonders die Pergamente, wollte er bei sich haben. So bat er Timotheus, diese Dinge mitzubringen, wenn er käme.

Wir wundern uns vielleicht, dass in diesem so wichtigen letzten Brief des Apostels von einem Mantel und von Büchern die Rede ist. Sind das nicht Nebensächlichkeiten? Aus Gottes Sicht nicht: Er sieht auch die kleinsten Dinge in unserem Leben und kennt alle unsere Bedürfnisse – auch die geringsten. Er ist in jeder Hinsicht besorgt für uns (1. Pet 5,7).

Ein Bruder

„Erastus blieb in Korinth; Trophimus aber habe ich in Milet krank zurückgelassen.“ (2. Tim 4,20)

Paulus hatte Trophimus krank in Milet zurückgelassen. Obwohl er selbst im Gefängnis saß und den Märtyrertod vor Augen hatte, dachte er an Trophimus, den er krank in Milet zurückgelassen hatte. Lässt das nicht etwas von seinem tiefen Mitempfinden für seinen kranken Mitarbeiter erkennen? Haben wir auch dieses Mitgefühl?

Paulus heilte Trophimus nicht. Wir lesen nie davon, dass Paulus seine Gabe der Krankenheilung gebrauchte, um einem Freund oder sich selbst Erleichterung zu verschaffen. Aber gewiss betete er für Trophimus und befahl ihn der treuen Fürsorge seines Herrn an. Tun wir das auch?



Fußnoten:

  1. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir unsere irdischen Pflichten vernachlässigen sollen. Im Gegenteil, als Christen sollen wir unsere irdischen Pflichten in Treue erfüllen. Und doch sollten die Ansprüche des Herrn immer die erste Priorität haben.

Daniel Melui

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2026, Heft 6, Seite 19

Bibelstellen: 1. Samuel 30,13; Markus 1,17-20; 10,49.50; Johannes 4,28.29; 2. Timotheus 4,13.20; u. a.;

Stichwörter: ägyptischer Jüngling, aufgeben, Brüder, Bücher, Christus, Mantel, Netze, Oberkleid, Tagelöhner, Vater, Wasserkrug, zurücklassen