Glaubensleben

Erhörte Gebete

„Darum sage ich euch: Alles, um was ihr betet und bittet – glaubt, dass ihr es empfangt, und es wird euch werden. Und wenn ihr dasteht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater,
der in den Himmeln ist, euch eure Vergehungen vergebe“ (Mk 11,24.25).

Zwei Dinge sind nötig, damit Gott unsere Gebete hört und beantwortet: Glaube an Gott und Vergebungsbereitschaft anderen gegenüber. Der Herr selbst hat diese beiden Eigenschaften in den oben angeführten Worten miteinander verbunden; und was Er zusammengefügt hat, sollten wir nicht scheiden.

Andere Schriftstellen lehren uns das Gleiche, zum Beispiel 1. Timotheus 2,8: „Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung.“ Dass wir „ohne Zorn“ beten sollen, zeigt, dass wir keine harten Gefühle anderen gegenüber haben sollen, und dass es „ohne zweifelnde Überlegungen“ sein soll, weist auf den Glauben an Gott hin.

Vielleicht liegt hier das Geheimnis, warum viele Gebete nicht erhört werden. Zwei Brüder knien in derselben Gebetsversammlung; dass sie anwesend sind, zeigt, dass sie einen gewissen Glauben an Gott haben; aber sie hegen harte und unversöhnliche Gedanken gegeneinander. Ihre Gebete sind nichtige und leere Worte. Wir müssen unsere Herzen prüfen, denn das Gebet ist notwendig. Wohl nie gab es eine Zeit, in der Gebet wichtiger gewesen wäre als jetzt, sowohl im stillen Kämmerlein als auch in der Öffentlichkeit. Wir müssen im Glauben beten, indem wir glauben, „dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner ist“ (Heb 11,6). Aber Er wird uns nicht anhören, wenn wir einander nicht vergeben.

Gott hat uns völlig vergeben und unsere Schuld Ihm gegenüber ausgelöscht; und diesen Wesenszug sollten wir allen gegenüber zeigen, seien sie nah oder fern, seien sie Geschwister im Herrn oder Menschen dieser Welt. Wenn wir nicht vergeben, wird uns (als Kindern Gottes) nicht vergeben, und wir können die Gemeinschaft mit Gott, unserem Vater, nicht genießen, und sein Geist in uns wird betrübt.

Auch in unserer Zeit sollten harte Gefühle gerichtet, Brüche geheilt und geschwisterliche Gemeinschaft wiederhergestellt werden, damit Gott unsere gemeinsamen Gebete erhören kann, die wir ernsthaft, aufrichtig und einmütig zu Ihm bringen. Er ist „voll innigen Mitgefühls und barmherzig“ (Jak 5,11) gegenüber Menschen in ihrem Elend und gegenüber seinen geliebten Heiligen in ihrer Verwirrung und in ihren Ängsten.


 

Gedankensplitter:

Kurze Gedanken zu dem Gleichnis in Matthäus 18,21-35: Im Reich der Himmel haben wir es mit jemand zu tun, der voller Gnade ist (Mt 18,27). Jeder Knecht in diesem Reich hat etwas von der göttlichen Gnade gehört oder erfahren. Die Frage ist aber, ob man diese Gnade von Herzen verstanden hat und auch seinen Mitknechten vergibt.

Wenn wir anderen nicht vergeben wollen (Mt 18,28), handeln wir nicht in Übereinstimmung mit der offenbarten Gnade und nötigen den himmlischen Vater, uns zur Besinnung zu bringen, indem wir seine Strenge kennenlernen. Wir bekommen keine Ruhe mehr und fühlen uns elend, bis wir die Sache in Ordnung gebracht haben (Mt 18,34).

Das ist ein Grundsatz der Regierung Gottes für diese Erde. Er gilt für alle, die sich im Reich der Himmel befinden. Darum sollten wir alle unserem Bruder von Herzen vergeben, wenn er uns gegenüber schuldig geworden ist (Mt 18,35). Das ist zur Ehre unseres Vaters im Himmel, zur Freude unseres Bruders und zu unserem eigenen Segen!

John T. Mawson; Gerrid Setzer

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2019, Heft 5, Seite 27

Bibelstellen: Markus 11,24.25; Matthäus 18,21-35;

Stichwörter: erhören, Gebet, Glaube, Vergebungsbereitschaft