Du aber
Wir durchleben die „schweren Zeiten“, von denen der Apostel Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus schreibt (2. Tim 3,1). Die Christenheit hält das Wort Gottes in Händen; sie hat die Wahrheit direkt vor sich. Diese Wahrheit ist die formende Kraft der Gottseligkeit – doch man nutzt sie nicht, um die Seelen zur Gottesfurcht zu führen. Viele haben die Kraft der Wahrheit verleugnet, so dass man zwar lernt, aber niemals zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt. Die heutige Christenheit ist beherrscht von moralischer Verdorbenheit, die der Apostel auf traurige Weise beschreibt (2. Tim 3,6.7). Gleichzeitig nimmt die geistliche Verdorbenheit der Menschen zu, die der Wahrheit widerstehen (2. Tim 3,8).
Angesichts dieses düsteren Bilds der Christenheit ist es umso tröstlicher zu wissen, dass Gott uns mitten in dieser Finsternis einen Weg erleuchtet hat. Diesen Weg sind die Kinder Gottes berufen, persönlich zu gehen – so wie Timotheus. Gott weist uns den Weg, der seinem Herzen entspricht, und auf dem der Herr Jesus geehrt wird. Dieser Weg ist zu seiner Ehre – genau wie zu der Zeit, als die Versammlung ihren strahlenden Anfang auf dieser Erde nahm.
Drei Dinge kennzeichnen den treuen Zeugen, der von Verfall umgeben ist. Der Apostel führt sie jeweils mit den Worten „Du aber …“ ein.
1. „Du aber hast genau erkannt meine Lehre“ (2. Tim 3,10): Das bedeutet, dass sich Timotheus die Lehre des Apostels zu eigen gemacht hatte. Timotheus war ihr gefolgt und hatte sie in die Tat umgesetzt. Paulus richtete sein Verhalten („Betragen“) immer an der Lehre aus; Timotheus tat dasselbe. Das Ziel des Apostels war Christus in der Herrlichkeit, und er tat nur eins: Er vergaß, was hinter ihm lag, und lief dem Ziel entgegen, um es zu erreichen. Sein „Glaube“, seine „Hoffnung“, sein „Ausharren“ gingen Hand in Hand mit der „Liebe“ – mit jener Liebe, die alles erträgt, alles glaubt und alles erduldet, selbst unter Leid und Verfolgung (V. 11). Alles das ließ sich für Timotheus in einem „Wort“ zusammenfassen: Timotheus lebte seinen Glauben, wie er es im Wort, in der Lehre und im Leben des Apostels gesehen hatte.
2. „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast“ (2. Tim 3,14): Timotheus wurde dazu aufgefordert, in diesen Dingen zu Hause zu sein, sie nie loszulassen, sondern an der göttlichen Inspiration der Schrift (V. 16) festzuhalten. Durch die Schrift wird der Diener Gottes völlig ausgerüstet sein für jedes gute Werk.
3. „Du aber sei nüchtern in allem, tu das Werk eines Evangelisten, vollführe deinen Dienst“ (2. Tim 4,5): Jeder von uns wird ermahnt, seinen Dienst zu „vollführen“, d. h. bis zum Ende zu tun, ohne zu wanken. Auch darin sollte Timotheus den Apostel nachahmen. Schließlich stand der Apostel kurz davor, sein Zeugnis und seinen Dienst auf dieser Erde zu beenden.
Schenke der Herr, dass auch wir sagen können, wie einst Paulus: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt.“ (2. Tim 4,7)
Aus: Courtes Méditations, No. 3, leicht überarbeitet
Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast.
2. Timotheus 3,14