Ermutigung

Tröstungen Gottes

„Sind dir zu wenig die Tröstungen Gottes, und ein sanftes Wort an dich zu gering?“ (Hiob 15,11).

Eliphas beginnt seine zweite Rede damit, dass er sich über die heftigen Worte Hiobs beklagt, in denen er keine Gottesfurcht erkennen kann (Hiob 15,1-6). Er fühlt sich von dem jüngeren Hiob zurückgesetzt, der die Weisheit des Alters nicht annehmen will (Hiob 15,7-10). Eliphas versteht auch nicht, warum Hiob die Tröstungen Gottes geringachtet (Hiob 15,11).

Vom Trost geben

Wenn Eliphas von „Tröstungen Gottes“ spricht, denkt er offenbar an seine Worte und die seiner beiden Mitstreiter. Und tatsächlich haben die drei Freunde in der ersten Gesprächsrunde Hiob eine wunderbare Zukunft vor Augen gestellt: Sie redeten von Heilung, Segen, Frieden und Wohlstand (Hiob 5,8-27; Hiob 8,5-7.20-22; Hiob 11,13-20).

Doch die Freunde Hiobs verknüpften diese helle Zukunft damit, dass Hiob sich vor Gott tief demütigen müsse, weil er angeblich sehr gesündigt habe. Ihre unbegründeten und unbarmherzigen Vorwürfe verletzten Hiob sehr. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Hiob zu seinen Freunden sagte: „Leidige Tröster seid ihr alle!“ (Hiob 16,2). Ihre gute Absicht, Hiob zu trösten (Hiob 2,11), scheiterte kläglich.

Wenn unser Trost zu den Herzen eines Leidgeprüften durchdringen soll, reichen gute Absichten und einige wohlgesetzte Worte nicht aus. Wir brauchen vielmehr die Weisheit von oben, um ein „Wort zu seiner Zeit“ sagen zu können, das mit der notwendigen Barmherzigkeit gepaart ist. Mutmaßungen über die Ursache des Leidens werden die Wirkung von gutgemeinten Trostworten zuverlässig ersticken.

Am effektivsten wirkt der Trost, wenn er aus unserem Erfahrungsschatz gespeist wird, und wir den Trost weitergeben können, mit dem wir selbst von Gott getröstet worden sind (2. Kor 1,3.4). Wenn uns das konkrete Leid des anderen aus eigener Erfahrung fremd ist, können wir als solche, die ebenfalls „im Leib“ sind (Heb 13,3), wenigstens versuchen, uns in den anderen einzufühlen und so zu guten Tröstern zu werden.

Vom Trost empfangen

Es klingt zynisch, wenn Eliphas seinen Freund Hiob fragt, ob die Tröstungen Gottes ihm zu gering seien. Dennoch ist die Frage an sich berechtigt, wie wir mit dem Trost aus Gottes Wort umgehen. Hat sich unsere Seele nicht sogar manches Mal geweigert, getröstet zu werden, wie das bei Asaph der Fall war (Ps 77,3)? Das gilt insbesondere dann, wenn der Trost durch menschliche Gefäße auf unvollkommene Weise zu uns gelangt ist.

Wir werden solchen Trost am ehesten annehmen, wenn unsere Herzen ganz auf Gott ausgerichtet sind und wir gelernt haben, Ihm zu vertrauen. Als Hiob nach der beeindruckenden Gottesrede seine Hand nicht mehr benutzen wollte, um seine Verteidigungsschrift zu unterzeichnen, sondern sie demütig auf den Mund legte, wurde er auch für Trost durch andere zugänglich: Seine Brüder, seine Schwestern und seine früheren Bekannten bezeugten ihm Beileid und erreichten einen ergebenen Hiob mit ihrem Trost (Hiob 31,35; 40,4; 42,11).

Wir fragen uns: Sind wir solche, die Trost weitergeben können, und sind wir solche, die ihn annehmen können? Für beides ist Gnade nötig, die uns der Herr schenken will. 


Und alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle seine früheren Bekannten kamen zu ihm; und sie aßen mit ihm in seinem Haus, und sie bezeugten ihm ihr Beileid und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der HERR über ihn gebracht hatte; und sie gaben ihm jeder eine Kesita und jeder einen goldenen Ring.

Hiob 42,11

Gerrid Setzer

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2026, Heft 5, Seite 3

Bibelstellen: Hiob 2,11; 5,8-27; 8,5-7.20-22; 11,13-20; 15,1-11; 16,2; 42,11; Hebräer 13,3; 2. Korinther 1,3.4; Psalm 77,3; u. a.

Stichwörter: annehmen, empfangen, Geben, Gnade, Gott, Trost