Glaubensleben

Vor dem Auge Gottes

… und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles ist bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.
Hebräer 4,13

Sieht er nicht meine Wege und zählt alle meine Schritte? (Hiob 31,4)

Vor dem Blick des Herrn ist nichts verborgen; mein tiefstes Inneres ist vor Ihm völlig offenbar. Sein Licht durchleuchtet mich. Sobald ich versuche, einen Winkel in meinem Herzen vor Ihm zu verbergen, werde ich mich unwohl fühlen.

Der Gedanke, dass Gott die tiefsten und verborgensten Gedanken unseres Herzens durchforscht, sollte uns sehr ernst sein. Wir könnten uns sogar vor dieser Tatsache fürchten. Doch wenn ich das Licht Gottes frei in mir wirken und scheinen lasse, wird das für meine Seele eine Quelle des Segens. Der Herr Jesus hat mich in seinem Blut gewaschen und begleitet mich auf dem Weg bis zum Himmel. Und Er ist es auch, der die Geheimverstecke meines Herzens durch und durch kennt und der alles geheime Böse, das sich dort zu verbergen versucht, entdeckt und offenlegt. Davor brauchen wir uns nicht zu fürchten, denn es ist seine Gnade, die offenbart, und es ist seine Gnade, die uns wieder zu Ihm zieht, wenn wir uns entfernt haben und etwas in unserem Herzen zugelassen haben, was uns von Ihm trennt.

Vielleicht habe ich gedacht, dass ein bestimmtes Handeln von mir gut war. Doch hat Gott in meinem Herzen etwas Böses gesehen, das mir bis dahin verborgen war. Vielleicht sah Er auch Satan, wie er sich in meiner Nähe aufhielt. Also hat Gott eingegriffen. Er hat mich gewarnt und mir die Gelegenheit gegeben, das Böse in seinem Licht zu verurteilen und zu richten. Wenn ich es nicht sofort tue, sobald ich gemerkt habe, dass sich etwas Falsches eingeschlichen hat, wird Gott gezwungen sein, anders einzugreifen. Er muss es tun. Er sieht genau, wie seine Kinder in dieser Welt wandeln und kümmert sich um jeden ihrer falschen Schritte. Mit diesem Wissen dürfen wir zuversichtlich zu Ihm kommen.

Wenn ich eine Sünde begehe, regt sich in mir sehr schnell Widerstand oder Angst, sobald sein göttliches Licht auf mich fällt. Doch der Herr wünscht, dass wir allezeit in seiner Gegenwart leben. Wir spüren, wie das einerseits unser Gewissen anspricht und wie es andererseits ein großer Segen ist, wenn wir uns ungetrübt bei Ihm aufhalten können – einfach, weil nichts zwischen uns steht.

Der Apostel Paulus legte sein ganzes Vertrauen in das Werk des Herrn Jesus. Er wusste, dass seine Sünden vergeben waren und alles mit Gott in Ordnung gebracht worden war. So konnte er zum Himmel aufschauen und in der Gegenwart Gottes leben. An die Korinther schreibt er: „Da wir nun den Schrecken des Herrn kennen, so überreden wir die Menschen, Gott aber sind wir offenbar geworden; ich hoffe aber, auch in euren Gewissen offenbar geworden zu sein“ (2. Kor 5,11). Es ist, als würde er sagen: „Ihr habt gesehen, wie ich im Licht Gottes lebe und ihr habt auch gesehen, wie das Licht alles in meinem Leben erhellt und offenbar macht. Alles, was mein Herz bewegt – selbst die verborgensten Gedanken und Wünsche -, ist auch für euch sichtbar geworden.“

Der Herr stellt uns heute die Frage: Sind wir offenbar vor Gott und vor den Menschen, wie Paulus es war?

HERR, du hast mich erforscht und erkannt!

Psalm 139,1

G. V. Wigram

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2026, Heft 5, Seite 19

Bibelstellen: Hiob 31,4; 2. Korinther 5,11; Psalm 139,1;

Stichwörter: Auge, Blick, Gott, offenbar, Sehen, verborgen