Der Aufseher unserer Seelen
Denn ihr gingt in der Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.
1. Petrus 2,25
Nachdem der Herr Jesus das wunderbare Erlösungswerk am Kreuz vollbracht hatte, ist Er als Mensch in den Himmel zurückgekehrt und hat sich zur Rechten Gottes gesetzt (Mk 16,19). Dort ist Er nun an dem Platz höchster Macht und Ehre, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt (Heb 2,9).
Der gegenwärtige Dienst des Herrn Jesus vom Himmel aus
Und doch ist der Herr Jesus jetzt nicht untätig. Er liebt uns, die Seinen, und seine Liebe lässt Ihn nicht ruhen. Er sieht uns jetzt in einer Welt voller Sünde und Versuchungen. Das lässt Ihn nicht unberührt. Wir brauchen Ihn und seine Hilfe. Er weiß das und kümmert sich auf verschiedene Weise um uns:
• Er ist das lenkende Haupt des Leibes, der Versammlung (Kol 1,18).
• Er heiligt, reinigt, nährt und pflegt seine Versammlung (Eph 5,25-29).
• Er gibt dem Leib Gaben – Evangelisten, Hirten, und Lehrer (Eph 4,11.12).
• Er ist unser Hoherpriester bei Gott, unser Sachwalter beim Vater (Heb 8,1; 1. Joh 2,1).
• Er verwendet sich für uns und erscheint jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns (Röm 8,34; Heb 9,24).
• Er tröstet uns (2. Kor 1,5).
• Er ist unser Hirte und der Aufseher unserer Seelen (1. Pet 2,25).
Diese Aufzählung ist nicht vollständig und gibt nur einen kleinen Ausschnitt des weitreichenden Spektrums an Herrlichkeiten unseres verherrlichten Herrn wieder. Aber schon diese kleine Liste zeigt das vielfältige Wirken seiner Gnade für uns vom Himmel her.
Aufseher unserer Seelen
Mit dem letztgenannten Titel „Aufseher unserer Seelen“ wollen wir uns ein wenig näher beschäftigen.
Der Apostel Petrus schreibt den Empfängern seines ersten Briefs: „Denn ihr gingt in der Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen“ (1. Pet 2,25).
Die beiden Titel „Hirte“ und „Aufseher“ beziehen sich in dieser Stelle auf den Herrn Jesus. Die Gläubigen sind die Schafe, die früher einmal irregingen, aber jetzt zurückgekehrt sind. Er ist der Hirte, der das einzelne Schaf sucht und zur Herde führt (vgl. Lk 15,5.6). Dafür hat Er sogar sein Leben gegeben (vgl. Joh 10,15-17). Als Hirte kümmert Er sich umfassend um seine Schafe und sorgt in jeder Hinsicht für sie (vgl. Ps 23).
Gleichzeitig ist der Herr auch der „Aufseher eurer Seelen“. Das griechische Wort für „Aufseher“ (episkopos) ist dasselbe, das auch in Philipper 1,1, 1. Timotheus 3,2 und Titus 1,7 für den Aufseher in einer örtlichen Versammlung verwendet wird. Das zeigt uns einerseits, dass der Herr Jesus das vollkommene Vorbild für jeden Aufseherdienst ist. Andererseits macht dieser Ausdruck deutlich, dass Er – wie die Aufseher in den genannten Stellen – über das geistliche Wohlergehen der Gläubigen wacht. Es gibt jedoch einen bedeutenden Unterschied: Während Menschen ihren Dienst nur unvollkommen und in Abhängigkeit von Ihm ausüben, ist Er göttlich vollkommen. So kennt Er als Aufseher unserer Seelen unseren Seelenzustand und wirkt darauf hin, dass unsere Seele in einem gottgemäßen Zustand ist.
Der Zustand unserer Seele
Der Mensch besteht ja aus Geist, Seele und Leib (1. Thes 5,23). Die Seele ist die bewusste Persönlichkeit eines Menschen, der Sitz seiner Gefühle, Empfindungen und Zuneigungen. Als wir uns bekehrt haben, wurde unsere Seele ein für alle Mal gereinigt (1. Pet 1,22).
Aber in der Praxis kann unsere Seele ermatten (Heb 12,3), es kann Bitterkeit in der Seele sein (Hiob 10,1; 27,2), unsere Seele kann bestürzt oder betrübt sein (Ps 6,4; Jes 38,15) oder verstört werden (Apg 15,24). Diesen negativen Beispielen können sicher noch viele zugefügt werden.
Der Herr möchte jedoch, dass es unserer Seele wohlgeht (3. Joh 2). Es ist sein Wunsch für uns, dass unsere Seele befestigt und in einem guten geistlichen Zustand ist (vgl. Apg 14,22).
Wie der Herr für unsere Seele sorgt
Deshalb kümmert Er sich als Aufseher unserer Seelen auf verschiedene Weise um unsere Seele.
Zunächst ist Er selbst tätig: Er lenkt unsere Blicke auf sich sowie auf die mit Ihm verbundene himmlische Hoffnung. So haben wir in Ihm einen sicheren und festen Anker unserer Seele (Heb 6,18-20). Er schenkt der Seele Freude, wenn wir auf Ihn blicken (Ps 86,4). Er erquickt die Seele (Ps 23,3). Er bewahrt die Seele der Seinen bis zu seinem Kommen (1. Thes 5,23).
Dazu benutzt Er auch das Wort Gottes: Es beurteilt unseren Seelenzustand, wenn wir es zu uns reden lassen und legt offen, wie es um unsere Seele steht (Heb 4,12). Und es erquickt die Seele (Ps 19,8).
Zudem hat Er Diener, die über unsere Seelen wachen und dazu beitragen, dass sie befestigt werden: geistliche Führer (Heb 13,17) und solche, die einen Hirtendienst ausüben
(Apg 14,22). Wie dankbar dürfen wir sein, dass diese schwierigen Dienste auch heute noch ausgeübt werden.
Ausblick
Weil dem verherrlichten Herrn unser Seelenzustand nicht egal ist, kümmert Er sich als „Aufseher unserer Seelen“ darum. Das ist großartig!
Wenn wir bei Ihm bleiben und Ihm nachfolgen, dürfen wir erfahren, wie Er als der „Aufseher unserer Seelen“ über uns wacht. Er führt uns, bewahrt uns und nimmt sich unserer Seele an – bis wir bei Ihm am Ziel sind.

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