Ermutigung

Heilung für zerbrochene Herzen

Verschiedene äußere Lebensumstände können aus menschlicher Sicht so niederdrückend und die innere Verfassung kann so belastet sein, dass man vor Traurigkeit und Niedergeschlagenheit keine Perspektive mehr sieht. Das Herz eines Gläubigen kann dann, bildlich ausgedrückt, zerbrochen sein oder werden.

Ein solcher Herzenszustand wird besonders auch dann eintreten, wenn im Inneren, im Herzen des Gläubigen, eine tiefe Trauer und echte Demütigung über eigenes sündiges Verhalten vorhanden ist. Die Sünde ist bereits aufrichtig vor Gott bekannt worden. Aber die Trauer über das eigene Versagen, über die Verfehlung gegenüber Gott und vielleicht auch gegenüber Mitmenschen beherrschen die Gedanken. Das Herz als Sitz des Willens, der Entscheidungen und Zuneigungen ist dann nicht mehr im Eigenwillen groß und stark, sondern in Reue vor dem Herrn zusammengebrochen und ganz klein. Aber gerade für solche Situationen tiefer Demütigung hat das Wort Gottes ermutigende Schriftstellen bereit, die wir im Folgenden besehen möchten. Unser Herr lässt uns nicht „im Regen stehen“. Und gerade dann, wenn wir unsere eigene Kraft- und Hilflosigkeit feststellen müssen, macht die Heilige Schrift uns klar, dass der Herr Jesus uns helfen kann und uns in diesen Situationen beistehen will.

Der Herr weist zerbrochene Herzen nicht ab

„Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten“ (Ps 51,19).

Psalm 51 zeigt uns, wie der große Glaubensmann David sich vor Gott wegen begangener Sünden aufrichtig und vollständig demütigt (V. 1-2). Gleichzeitig hat er großes Vertrauen Ermutigung Heilung für zerbrochene Herzen in die Erbarmungen Gottes. Und Er vertraut darauf, dass Er ihn vollständig von seiner Sünde reinigen wird (V. 3-4). Prophetisch werden diese Verse einmal das Gebet des jüdischen Überrests in der Zukunft sein.
Aber auch heute ist Psalm 51 sehr lehrreich, weil er uns die tief gehende Demütigung Davids als Beispiel vorstellt.

Das Ergebnis dieser Demütigung war ein zerbrochener Geist und ein zerbrochenes sowie zerschlagenes Herz (V. 19). Das Licht des Wortes Gottes hatte ihn getroffen (2. Sam 12,7-13). Sein Eigenwille und Selbstvertrauen waren zerbrochen. In seinem Herzen herrschte Trauer über die begangene Sünde und seinen sündigen Zustand.

Doch in dieser Situation tiefer Trauer und Demütigung sieht David einen Lichtblick: Gott wird einen Menschen, der in einer solchen Haltung zu Ihm kommt, nicht abweisen: „Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.“

In den Augen der Menschen ist ein innerliches Zerbrochen-Sein ein verachtenswerter Zustand. Der Mensch will von Natur aus stark sein und keine Schwäche zeigen. Aber unser Herr ist anders. Wenn jemand mit einem zerbrochenen Herzen zum Ihm kommt, wird Er ihn nicht abweisen (Mt 11,28; Joh 6,37). Sowohl die große Sünderin in Lukas 7,36-38 als auch der bitterlich weinende Jünger Petrus haben dies erlebt (Mt 26,75; Lk 24,34; 1. Kor 15,5; Joh 21,15-19). Auch wir können diese Erfahrung machen. Wenn unser Herz durch Demütigung vor Ihm zerbrochen ist, dürfen wir uns vertrauensvoll an Ihn klammern. Unser Heiland und Hirte weist uns nicht ab.

Der Herr ist denen nahe, die zerbrochenen Herzens sind

Wenn wir mit einem zerbrochenen Herzen zu unserem Herrn und Heiland kommen, machen wir die schöne Erfahrung, dass Er uns nahe ist. David hatte dies ebenfalls in seinem Leben erfahren: „Nahe ist der Herr denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er“ (Ps 34,19).

Als Psalm 34 entstand, war David auf einem selbstgewählten Weg abgewichen und in Lebensgefahr geraten (1. Sam 21,11–22,1). Nachdem er gerettet und zurechtgebracht worden war, schrieb er diesen Psalm (V. 1). David lobt den Herrn für seine Rettung und gibt Erfahrungen weiter, die er mit Ihm in dieser Prüfung gemacht hat. Prophetisch wird hierdurch der gläubige Überrest Israels angesprochen. Besonders schön ist in diesem Psalm die Betonung der dreifachen Errettung des Herrn aus Angst, Elend und Bedrängnissen:

• Als David den Herrn suchte, antwortete Er ihm und errettete Er ihn aus den Umständen, die ihm Angst machten (V. 5).
• Als David in seinem Elend zum Herrn rief, hörte der Herr und rettete Er ihn aus allen seinen Bedrängnissen (V. 7).
• Wenn Gerechte in Bedrängnis sind und zu dem Herrn schreien, errettet Er sie aus allen ihren Bedrängnissen (V. 18).

Derjenige, der mit einem zerbrochenen Herzen zu Ihm kommt, wird erfahren, dass der Herr ihm nahe ist (V. 19). Der Herr lässt eine gedemütigte Seele nicht fallen. Er hat bedingungslos zugesagt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,20). Als Sachwalter bei dem Vater (1. Joh 2,1) führt der Herr Jesus uns zur Demütigung und will in der Demütigung unseren Blick auf Ihn selbst richten, um uns dadurch aufzurichten.

Der Herr will zerbrochene Herzen verbinden

Jesaja 61 macht deutlich, dass der Herr Jesus darüber hinaus auch zerbrochene Herzen verbinden wird: „Der Geist des Herrn, Herrn, ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat, den Sanftmütigen frohe Botschaft zu bringen, weil er mich gesandt hat, die zu verbinden, die zerbrochenen Herzens sind, Freiheit auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen …“ (Jes 61,1).

Die genannten Verse in Jesaja 61 sagen voraus, dass der von Gott verheißene Messias einmal zu seinem Volk Israel kommen wird und in welchem Charakter er dies tun wird. In erster Linie gelten diese Verse also dem bußfertigen Überrest des Volkes Israel.

In Lukas 4,18-22 liest der Herr Jesus diese Verse in der Synagoge von Nazareth vor und wendet sie auf sich an. Die anwesenden Juden sollten dadurch erkennen, dass Er selbst der angekündigte Messias ist. Er war gekommen, um die durch Jesaja vor über 700 Jahren vor Christi Geburt angekündigten Segensabsichten Gottes unter ihnen auszuführen. Aber die ungläubigen Juden erkannten Ihn nicht als Messias an und lehnten Ihn ab. So konnte Er die Güte und Gnade Gottes seinem Volk gegenüber nicht frei entfalten. Allerdings wird der Herr Jesus zu Beginn des Tausendjährigen Reichs diesen Segen Gottes für das dann zubereitete Volk Israel (für die „Sanftmütigen“) voll entfalten, weil Gott zu seinen Zusagen steht und sie treu einhält. Er kann und wird dann die zerbrochenen Herzen des bußfertigen Überrests verbinden.

Wie dankbar dürfen wir sein, dass Er damals, heute und in Ewigkeit derselbe ist (Heb 13,8). So trauen wir Ihm zu, dass Er immer noch gedemütigte Herzen verbinden kann. Wie der barmherzige Samariter in Lukas 10,34 nimmt Er sich der Wunden  eines zerbrochenen Herzens an und versorgt sie in göttlich vollkommener Weise.

Der Herr kann zerbrochene Herzen heilen

Wenn der Herr die Wunden eines zerbrochenen Herzens versorgt und verbindet, dann tut Er das, um ein solches Herz zu heilen und zur Ruhe zu führen. Diesen Aspekt finden wir in einem Lobe-Psalm des 5. Psalmbuches: „Der Herr baut Jerusalem, die Vertriebenen Israels sammelt er; der da heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und ihre Wunden verbindet; der da zählt die Zahl der Sterne, sie alle nennt mit Namen“ (Ps 147,2-4).

Die fünf Psalmbücher geben prophetisch einen Überblick über die zukünftige geistliche Entwicklung Israels bis hin zum Tausendjährigen Reich. In fünf Stufen wird uns insbesondere die innerliche, moralische Entwicklung des zukünftigen gläubigen Überrests in Verbindung mit dem Herrn Jesus, ihrem Messias, gezeigt.1 Im fünften Buch der Psalmen sehen wir, dass der Herr diesen gläubigen Überrest bereits in das Land Israel zurückgebracht hat. Die Gläubigen werden dann auf Gottes wunderbares Handeln mit seinem Volk zurückblicken und Ihn dafür loben und preisen.

In Psalm 147 wird der Herr besonders für das gepriesen, was Er ist und was Er in Bezug auf Israel und Jerusalem getan hat. Er wird den gläubigen Überrest seines Volkes Israel im Tausendjährigen Reich in das Land Israel und nach Jerusalem zurückführen (V. 2). Unter der Segensherrschaft des Herrn Jesus wird für den Überrest dann die schreckliche Drangsalszeit mit ihren unbeschreiblichen Gerichten und Verfolgungen beendet sein. Er wird sein Volk vollkommen trösten und in dieser Hinsicht ihre durch Leiden und Verfolgung zerbrochenen Herzen heilen (Jes 66,12-14). Aber auch ihre Beziehung mit dem Herrn Jesus wird geordnet sein, weil sie Ihn, den sie einst verworfen hatten, nun mit bußfertigen Herzen als ihren Messias angenommen haben (Sach 13,6-9; Jes 53,2-6). Auch in dieser Hinsicht werden ihre zerbrochenen, bußfertigen Herzen völlig geheilt (vgl. Hes 36,26). Die Beziehung zu ihrem Messias ist dann trotz ihres Versagens aufgrund seiner Gnade wiederhergestellt.

FN1 Siehe hierzu ausführlich: A. Remmers, Die Bibel im Überblick, 2011, S. 187-192.

Vollständige Heilung und Wiederherstellung nach tiefer Buße und Umkehr ist auch heute noch möglich! Wir sehen das bei Petrus, der knapp sieben Wochen nach seinem eigenen tiefen Fall den Juden dieselbe Sünde vorhielt: „Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet …“ (Apg 3,14). Ein weiteres Beispiel ist Johannes Markus, der im Dienst versagte (Apg 13,13; 15,37-39), dann wieder „nützlich zum Dienst“ wurde (2. Tim 4,11) und schließlich im Markus-Evangelium unseren Herrn als vollkommenen Diener beschreibt. Was für eine Gnade ist es, dass der Herr gedemütigte Herzen vollständig heilen möchte!

Praktische Anwendung

Zum Schluss möchte ich gerne aus dem betrachteten Verhalten des Herrn gegenüber David und dem zukünftigen Überrest Israels noch folgende praktische Anwendung ableiten: Wir haben bereits betont, dass wir unserem Herrn zutrauen dürfen, dass Er auch heute zerbrochenen Herzen wirkliche Heilung schenken kann. Die angeführten Stellen beziehen sich in erster Linie auf Situationen tiefer Demütigung wegen begangener Sünden. Aber auch mit jeder anderen Not, mit allem, was unser Herz zu zerreißen und zu zerbrechen droht, dürfen wir im Gebet zu Ihm kommen: In außergewöhnlichen Notsituationen, bei bitteren Enttäuschungen, bei Trauer über den Verlust eines nahestehenden Menschen, bei körperlichen oder seelischen Krankheiten und anderen schwerwiegenden Umständen ist Er für uns da und wird uns helfen. Was für einen mächtigen und einfühlsamen Herrn haben wir!

„Wirf auf den Herrn, was dir auferlegt ist, und er wird dich erhalten“ (Ps 55,23).

Manuel Thomas

Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2019, Heft 2, Seite 25

Bibelstellen: Psalm 51,19; Psalm 34; Jesaja 61; Lukas 4,18-22;

Stichwörter: Demütigung, Heilung, zerbrochene Herzen